Zu den Fragen, die niemand marginal nennen wird und die beunruhigenderweise dennoch aus der öffentlichen Agenda verschwinden, gehört das Bevölkerungswachstum. Massimo Livi Bacci aber, der 80-jährige florentinische Altmeister der demografischen Forschung, will es den internationalen Institutionen entschieden wieder als politische Aufgabe vorsetzen. Er bilanziert, was unsere Gegenwart von den Tagen der ersten Bauern unterscheidet: Die Spezies umfasse "tausendmal mehr Menschen, denen tausendmal weniger von einem Raum zur Verfügung steht, der tausendmal so schnell durchquert werden kann und hundertfach gefräßiger ist an Energie". Baccis Diagnose handelt keineswegs vom nahenden Weltuntergang. Er setzt auf Bevölkerungspolitik, Migration und Kommunikation. Das Taschenbuch Planet und Mensch verwandelt das vermeintliche Schicksal in die ungeduldige Frage, wann Demografiepolitik endlich zur Priorität wird.

Massimo Livi Bacci: Planet und Mensch. Bevölkerungswachstum im 21. Jahrhundert; Wagenbach Verlag, Berlin 2017; 203 S., 14,90 €