In einer neuen Umfrage will man herausgefunden haben, dass das Vertrauen der Österreicher in Politik und Politiker, das sich ohnehin bereits im freien Fall befand, auf einem neuen Tiefpunkt angelangt ist. Sämtliche Auguren der Republik erblickten darin unverzüglich ein Alarmzeichen und verlangten vertrauensbildende Maßnahmen – von den Politikern selbstverständlich, was einer gewissen contradictio in se gleichkommt.

Doch was ist so alarmierend, wenn Bürger skeptisch sind? Vertrauen ist ebenso wenig eine Kategorie in der Demokratie wie es, laut Winston Churchill, die Dankbarkeit in der Politik ist. In Zeiten, in denen scharenweise gelackte Erlösergestalten die politischen Bühnen bevölkern, wird Misstrauen geradezu zur Bürgerpflicht. Vertrauen mag im Kirchenstaat unverzichtbar sein und in dem einen oder anderen Feudalsystem tröstlich, weil es der unmündige Bürger dadurch leichter erträgt, dass über seinen Kopf entschieden wird. In einer Demokratie hingegen heißen die bürgerlichen Tugenden Kontrolle, Diskurs und Wachsamkeit. Glaube, Liebe, Hoffnung gehören nicht dazu.

Häufig genug ist Vertrauen unerlässlich. In einem Flugzeug muss der Passagier in der Regel das Vertrauen aufbringen, dass der Pilot sein Handwerk versteht und der Jet anständig gewartet wurde. Im Spital muss ein Patient darauf vertrauen, dass ihm der Chirurg nicht das falsche Stück Gewebe aus dem Leib schneidet. Da fällt jede Einmischung schwer. Aber in der Demokratie? Da soll und muss mitgeredet werden. Nein, der Citoyen kennt das Vertrauen nicht, er bezieht Stellung.