Wer eine lange Zeit vegetarisch gelebt hat, der entwickelt oft einen regelrechten Ekel gegenüber Fleisch. Schon bei der Vorstellung, in eine Frikadelle oder eine Bratwurst zu beißen, dreht sich ihm der Magen um. Und manche Pflanzenesser behaupten sogar, dass ihr Darm rebelliere, wenn ihm unbemerkt tierisches Eiweiß untergejubelt werde, etwa in Form eines übersehenen Scheibchens Salami auf der Pizza oder eines Schinkenwürfels im Kartoffelauflauf. Kann der Körper tatsächlich die Fähigkeit verlieren, tierisches Eiweiß zu verdauen?

Der Mensch ist von Natur aus ein Allesfresser, und unser Verdauungsapparat kann sich sehr flexibel an die Nahrung anpassen, die ihm geboten wird. Unsere Vorfahren hatten keine verlässliche, regelmäßige Nahrungszufuhr. Wenn sie ein größeres Tier erlegt hatten, standen bei ihnen tagelang große Fleischmengen auf dem Speisezettel. Danach folgte dann häufig eine karge Periode mit hauptsächlich pflanzlicher Nahrung. Eine solche Umstellung funktioniert auch heute noch meist problemlos.

Natürlich sollte, wer lange kein Fleisch gegessen hat, seinem Körper nicht plötzlich ein 500-Gramm-Steak zumuten. Den Enzymen, die Proteine auflösen, ist es zwar egal, ob diese von einer Pflanze oder einem Tier stammen. Aber die ungewohnte Eiweißbombe kann dafür sorgen, dass die Mahlzeit schwer im Magen-Darm-Trakt liegt. Deshalb sollte man bei der Umstellung mit kleineren Häppchen beginnen.

Auch das Mikrobiom, also die aus Bakterien bestehende Darmflora, muss sich auf die neue Kost einstellen. Im Vegetarierdarm leben mehr auf Kohlenhydrate spezialisierte Mikroben, im Darm von Fleischessern mehr Protein verdauende. Man kann aber davon ausgehen, dass nach einer kurzen Übergangszeit von ein paar Tagen der Körper eine solche Umstellung hinbekommt.

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