Auf diese Weise werden Forschungsergebnisse für jedermann auf der Welt zugänglich. Gleichzeitig jedoch zieht das Open-Access-Modell Geschäftemacher und Schwindler an (ZEIT Nr. 11/17). Für ein paar Hundert Dollar "Bearbeitungsgebühr" bieten sie an, jeden Fachaufsatz in einer Zeitschrift mit klingendem Namen zu veröffentlichen ( etwa World Journal of International Research) – quasi ohne jede Qualitätskontrolle.

Predatory journals, "Räuberzeitschriften", heißen diese Publikationen im Branchenjargon. Den Begriff prägte der amerikanische Bibliothekswissenschaftler Jeffrey Beall an der University of Colorado. Er sammelte über die Jahre Zehntausende verdächtige Pseudozeitschriften in einer Liste, Beall’s List. Hier veröffentlichen Autoren, die bei anderen Zeitschriften keine Gnade fanden oder es gar nicht erst versuchten. Jahrelang war Beall’s List eine wichtige Referenz. Vergangenen Januar wurde sie offiziell vom Netz genommen. Auf Druck seiner Universität, wie Beall später erklärte. Verleger, deren Zeitschriften auf der Liste auftauchten, hatten mit Klagen gedroht. Zuvor hatte Beall noch eine zweite Liste zusammengestellt: Beall’s List of Predatory Conferences, eine Datenbank mit Veranstaltern zwielichtiger Konferenzen. Auch sie wird offiziell nicht mehr weiterbetrieben. Dennoch sind beide Verzeichnisse im Netz zu finden.

Die Grenzen zwischen Bauernfängerei und Billigforschung sind fließend

Waset ist dabei einer der größten Anbieter dieser Konferenzen. Sein wichtigster Konkurrent heißt Omics, ein Verlag aus Hyderabad (Indien), den die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC im August 2016 diverser "betrügerischer Praktiken" beschuldigt hat. Omics ist vor ein paar Jahren unter der Adresse conferenceseries.com in das Tagungsgeschäft eingestiegen. Die Firma wirbt damit, über 3.000 Konferenzen organisiert zu haben.

Eine ist die "2nd International Conference on Mental Health and Human Resilience" 2016 in Köln. Die Liste der Redner ist eindrucksvoll, Wissenschaftler renommierter Einrichtungen aus der ganzen Welt waren scheinbar anwesend. Man fragt sich nur, wie der Veranstalter sie in Köln untergebracht hat: Das auf der Website angegebene Hotel wurde in dem Zeitraum im Juli renoviert, alle Veranstaltungsräume waren geschlossen.

Die Grenzen zwischen Bauernfängerei und Billigwissenschaften sind bei den Fake-Konferenzen fließend. Für den einzelnen Wissenschaftler ist mitunter schwierig herauszufinden, ob er an einer zwar drittklassigen, aber dennoch seriösen Tagung teilnimmt oder einem glatten Betrug aufsitzt. Ebenso schwierig ist die Recherche. Sobald man sich als Journalist bei einem Teilnehmer meldet und den Grund der Anfrage nennt, bricht der Kontakt ab.

Holger Altberg immerhin war bereit, Auskunft zu geben, wenn auch nur unter einem Pseudonym. Im September hat er einen Vortrag bei einer Waset-Konferenz in London gehalten. Altberg ist leitender Angestellter eines regionalen Sparkassenverbandes. Nebenbei hat er begonnen, an einer privaten Hochschule im Fach Betriebswirtschaft zu promovieren. Um wie in der Promotionsordnung vorgesehen Veröffentlichungen in einem internationalen Journal vorweisen zu können, kam ihm die Waset-Konferenz mit der Publikationsgarantie gerade recht. Als er sein Manuskript vor der Konferenz bei der Tagungsleitung einschickte, kam es sogar mit ein paar formalen Anmerkungen zur Überarbeitung zurück.

Altberg sagt offen: "Bei einer normalen wissenschaftlichen Konferenz hätte ich es mit meinem Vortrag wohl schwer gehabt." Aber er wolle schließlich nicht Wissenschaftler werden. Es ging ihm nur darum, einen Haken in seinem Pflichtenheft als Doktorand zu bekommen.