Welch eine Freude damals, welch eine Begeisterung! Habt ihr gehört? Unser EFFZEH spielt in der Europa League, endlich die große Bühne. Wir gegen den AC Milan oder den FC Everton – und nicht mehr wie früher gegen Hessen Kassel. Auch ich habe mich gefreut – weit weg von Köln, beim Abmischen meines neuen Solo-Albums, "Das Familienalbum", in New York. Ich saß in meinem Hotelzimmer und habe das entscheidende Spiel, den 2 : 0-Sieg gegen Mainz, im Internet verfolgt, Radio Köln. In der letzten Viertelstunde habe ich es kaum noch ausgehalten. Mir drohte ein Herzklappenabriss, so bezeichne ich diese Situationen, in denen mir der Club alles abverlangt.

Danach bin ich raus, um im Loreley Beer Garden ein Kölsch zu trinken. Unglaublich, habe ich damals gedacht, övverall jitt et Fans vum FC Kölle. Övverall. Aber schon damals hatte ich auch zum ersten Mal dieses mulmige Gefühl. Dass das alles zu schnell geht, die Träume viel zu hoch fliegen. Spinnen wir schon wieder, habe ich weit in meinem Hinterkopf gedacht.

Niedecken ist ein Miesepeter, ein Partypupser – mir war klar, dass manche Fans so denken würden. Ich wollte auch nicht recht haben mit meiner Skepsis, aber sie war plötzlich da. Hinter uns lagen fünf Abstiege aus der Ersten Liga. Und erfreulicherweise auch fünf Aufstiege. Wir sollten doch allmählich verinnerlicht haben, dass wir uns besser am FC Freiburg orientieren als an Real Madrid. Mir wurde immer klarer, welche Belastung das ist, in der Tabelle auf dem fünften Platz zu stehen. Das ist ein Danaergeschenk, man freut sich, wenn man es bekommen hat, und merkt erst später, welches Unheil es mit sich bringt.

Ein Freund hat mir erzählt, in der Bild-Zeitung sei zu lesen, zu 80 Prozent sei der FC Köln jetzt schon abgestiegen. Unverantwortlich, eine Mannschaft so abzuschreiben. Köln habe so gut wie keine Chance mehr. Na gut, wir werden sehen!

Ich wünsche mir, dass die üblichen Mechanismen diesmal nicht greifen. Zum Beispiel, als Nächstes den Trainer infrage zu stellen. Peter Stöger hat das uneingeschränkte Vertrauen der Spieler, das sehen auch die Fans. Ihn damals, bei unserer letzten großen Krise, als Trainer einzustellen, hat sich als Glücksfall erwiesen. So wie auch die Verpflichtung von Sportdirektor Jörg Schmadtke eine gute Entscheidung gewesen ist. Ich erinnere mich an die ersten "Schmadtke raus"-Rufe" vor drei Wochen, als ein paar Schwachmaten versuchten, ihn zum Sündenbock aufzubauen. Jetzt wirft man ihm vor, er habe sich einfach aus dem Staub gemacht. Schmadtke hat mir schon in seiner ersten Saison beim FC gesagt, er werde den Verein verlassen, sobald er das Gefühl habe, man wolle ihn zum Spielball machen. Genau das hat er getan.

Wir haben Pech gehabt in den vergangenen Wochen. Das Lazarett ist dermaßen überbelegt, dass ich die Namen der Patienten allmählich vergesse. Hector, Risse, Córdoba, Rausch – auch Claudio Pizarro fällt mir natürlich ein, ein älterer Herr zerrt sich nun mal gerne was. Wie ich höre, will sich der FC in der Winterpause verstärken, danach bleibt ja noch die ganze Rückrunde Zeit, um zu punkten. "Et hätt noch emmer joot jejange!" Dieser Tage enden am Rhein viele Diskussionen um den FC mit der typischen Folklore. Ein fröhliches: Es wird schon werden! Wir sehen die Spieler vor uns, wie sie am Rosenmontag wieder von den Karnevalswagen zu uns herunterwinken werden – egal ob sie gerade wieder ein Spiel verloren haben. Unser Humor hilft nicht nur in dieser Zeit.

Und wenn es trotz alledem nächstes Jahr wieder gegen Hessen Kassel geht, dann wird eben zügig wieder aufgestiegen.