Wenn es um den Klimaschutz geht, unterscheidet sich Angela Merkel nicht so sehr von Donald Trump. Oder eigentlich doch. Denn Trump ist wenigstens ehrlich. Bei ihm weiß jeder, dass ihm das Klima egal ist. Niemand glaubt, dass er sich für das einzige wahrhaft globale Problem unserer Zeit interessiert, keiner erwartet, dass er sich Gedanken macht über das Schicksal von Menschen am anderen Ende der Welt.

In der Dunkelheit der Insel Borneo, 12.000 Kilometer entfernt vom grönländischen Eis, flattern unscharfe Bilder über die Wand eines hölzernen Hauses. Ein dieselgetriebener Generator rattert, er erzeugt Strom für den Videoprojektor. Davor sitzen Männer und Frauen auf dem Boden, sie trinken süßen Tee, knabbern Erdnüsse und Kokoskekse – und schauen zu, wie ihre Welt vergeht.

Auf dem Video tauchen Bäume auf, die hochhaushoch in den Himmel wachsen, dicht stehen sie nebeneinander, Stamm an Stamm, bis ein Baum plötzlich in Bewegung gerät und fällt, und dann noch einer und noch einer. Übrig bleibt ein Stoppelfeld, bedeckt mit zerborstenem Holz.

Eine der Frauen auf dem Boden fängt an zu weinen.

Es sind die Bäume ihrer Heimat, die Bäume ihres Dorfes, die auf dem Video sterben. Das Dorf: Tumbang Mantuhe, eine Ansammlung von Hütten im indonesischen Teil der Insel Borneo, früher umgeben von Regenwald, heute umgeben von Palmen, die in riesigen Plantagen wachsen, betrieben von großen Unternehmen. An den Palmen reifen mehrmals im Jahr pflaumengroße Früchte heran, die ausgepresst und zu Öl verarbeitet werden. Palmöl.

Das Video hat eine indonesische Menschenrechtsorganisation produziert, sie heißt The Borneo Institute. Mit dem kurzen Film will sie auf das Schicksal der Kleinbauern aufmerksam machen, die in diesem Wald einmal ein Leben lebten, von dem heute nur noch die Ältesten erzählen können. Einer von ihnen ist der 71-jährige Pesi, Vater von zwölf Kindern und Großvater von sieben Enkeln.

Er hat sich zum Reden vor seine Hütte gesetzt, die wie alle Hütten hier auf Stelzen gebaut ist. Ein kleiner, aber noch immer kräftiger weißhaariger Mann, dessen ledernes Gesicht von Falten durchfurcht ist. Ein paar Hühner scharren in einer offenen Grube, in der die Familie ihren Müll verbrennt. Pesi, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat, ist froh, dass er um diese Zeit zu Hause ist, denn am Abend, wenn es dunkel wird, erwachen die Geister der toten Vorfahren – und die Seelen der toten Bäume.

"Wir haben früher vom Wald gelebt", sagt Pesi, "wir haben Hirsche gejagt und Knollen und Früchte gesammelt." Auf kleinen Feldern zwischen den Bäumen zogen sie Reis. Das Land gehörte ihnen, jeder wusste das.

Aber kaum einer besaß ein offizielles Nutzungsrecht. Weshalb es für die Palmölproduzenten meist nicht schwierig war, sich selbst solche Bescheinigungen zu besorgen.

Heute ist Indonesien, vor Malaysia, der weltgrößte Produzent von Palmöl. Die Kleinbauern und ihre Familien schlagen sich irgendwie durch, manche arbeiten auf den Ölplantagen, die ihren Wald verdrängt haben.

Der Regenwald stirbt, die Lunge der Erde – dass das schlimm ist, wissen in Deutschland schon Schulkinder. In diesem Artikel aber soll es weniger um die Zerstörung des indonesischen Dschungels gehen als um das Versagen der deutschen Bundeskanzlerin.

Was also hat Angela Merkel mit den verschwundenen Bäumen von Borneo zu tun?