Wäre Carles Puigdemont – der soeben durch Madrider Order abgesetzte Präsident Kataloniens – ins Gefängnis gegangen, er wäre ein Held der katalanischen Nation geworden. Im Gerichtssaal hätte er eine Brandrede halten können. Was für eine Gelegenheit, vor der versammelten internationalen Presse die spanischen Missetaten anzuprangern! "Ich gehe ins Gefängnis, aber ihr werdet frei sein! Es lebe das freie Katalonien!" Die Rede wäre Pflichtlektüre für kommende Generationen katalanischer Schüler geworden. Carles Puigdemont, ein leuchtendes Beispiel für nationalen Opfermut.

Doch Puigdemont hat sich aus dem Staub gemacht, noch bevor der spanische Staatsanwalt gegen ihn Anklage wegen Rebellion erhoben hatte. Am Montag, zwei Tage nach der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens, flüchtete er zusammen mit mindestens fünf seiner Minister nach Belgien. Es heißt, sie könnten dort Asyl beantragen. Gewähren wird man es ihnen kaum.

Puigdemont und seine Mitstreiter wollen Helden ihrer Nation sein. Leiden wollen sie nicht. Das geht in Ordnung. Auch Nationalisten sind nur Menschen. Sie haben ein Recht auf Feigheit, wie jeder andere auch.

Nur sollten sie Heldenmut dann auch nicht von anderen fordern. Puigdemont aber rief die Katalanen zum zivilen Ungehorsam auf – bevor er sich auf und davon machte.