Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Derzeit wird älteren Herren in verantwortlichen Positionen bitteres Unrecht getan. Chefredakteure werden beispielsweise nur deshalb gefeuert, weil sie einem weiblichen jungen Nachwuchstalent berufliches Fortkommen in Aussicht stellen. Großmütig wird dafür auch keine Gegenleistung verlangt, die diese journalistische Zukunftshoffnung zu einem Zeitpunkt finanziell überfordern würde, zu dem ihre Karriere noch gar nicht so richtig begonnen hat. Nein, lediglich ein wenig zwischenmenschliche Wärme an kalten Wintertagen erwartet man sich. Mein Gott, das ist doch rührend, selbstlos, bescheiden. Und diese väterliche Güte hört niemals auf, wie sogar der frühere US-Präsident George Bush sen. bewies. Seine Hände sollen oft den Weg zur Taille so mancher Schauspielerin gefunden haben, wenn er mit ihnen für Fotos posierte. Zusätzlich vertrieb er ihnen bei diesen langwierigen Sessions die Langeweile mit lustigen Geschichtchen, die, nun ja, immer in seinen Altherrenkreisen gut angekommen waren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Denn: "Sein Arm fällt aufgrund seines Alters manchmal auf die Taille von Menschen, mit denen er sich fotografieren lässt." Und die Witze, die er erzählt, sind ja auch dazu gedacht, dass sich die jungen Damen in der stressigen Atmosphäre entspannen können. Der alte Profi weiß ja, wie das geht.

Es ist auch häufig so, dass Männerhände ganz zufällig und ohne Hintergedanken bei Frauen auf gewisse Körperteile fallen. Das ist ein Naturgesetz. Zudem ist bekannt, dass Frauen nichts lieber hören als anzügliche Witze, weil sie sonst häufig nervös und verkrampft sind. Diese männliche Unschuld wird jetzt auf der ganzen Welt angeprangert. Das ist ungerecht, zumal davon ausgegangen werden kann, dass die Frauen stets einverstanden sind. Lange nachzufragen käme einem tiefen Missverständnis der weiblichen Psyche gleich. Das "schwache Geschlecht", wie es früher hieß, als die Welt noch in Ordnung war, erwartet förmlich, übergangen zu werden. Alles andere würde bedeuten, den Jagdinstinkt, der zum angeborenen Wesenskern des Mannes gehört, zu ignorieren. Und über diese Entmündigung des verkannten Geschlechts müsste heute eigentlich diskutiert werden.