Eine Frau und ein Mann stehen auf der Südseite im Windschutz. Blick auf die Musical-Gebäude, ihre Kleidung: multifunktional, die Haare: grau und weiß. Akzent: Ruhrpott. Der Mann: "Dat is doch der Wahnsinn hier oben, da kannste gucken, gucken, gucken." Die Frau: "Und Leute begucken." Der Mann: "Dat will ich gar nicht bestreiten. Dat is hier oben fast dat Beste!"

Im ersten Jahr kamen vier Millionen Besucher auf die Plaza. In etwa so viele wie in die Sixtinische Kapelle in Rom.

Zwei Männer laufen an der Nordseite entlang. Ein großer mit Glatze und ein kleiner mit Mütze. Sie sprechen Englisch. Der Große erklärt dem Kleinen Hamburg. "The heart of Hamburg is the harbor." "Oh great!" "There is a huge railway system behind the harbor." "Oh great!" "It’s the second biggest harbor in Europe behind Rotterdam." "Oh greeeeeeat!"

Die Rolltreppe, mit der Besucher zur Plaza gelangen, ist gebogen – weltweit einmalig. Die Fahrzeit beträgt zweieinhalb Minuten.

Eine Gruppe von acht Leuten steht vor dem Aufgang zum Großen Saal. Sie hören einem Mann mit Bändchen um den Hals zu. Reiseführer: "Jetzt sind wir auf der Plaza, 37 Meter hoch. In der Elbphilharmonie ist alles einzigartig. Was könnten hier Sonderanfertigungen sein? Sarah, Lukas?" Sarah und Lukas sind die beiden Kinder in der Gruppe. Sie schauen sich um. Sarah: "Die Lampen." "Richtig!", sagt der Reiseführer und zeigt nach oben auf die Kugeln, die sich unter der Decke drängeln. "Die stammen aus einer kleinen Manufaktur in Tschechien. Ein einziger Mann hat sie geblasen, jede einzeln, damit sie diese unverwechselbare Form haben. Der Mann muss jetzt einen richtigen Schädel haben." Sarah und Lukas lachen.

Der Bodenklinker besteht aus 188.000 Ziegeln. Sie wurden extra für die Plaza in einem Kohleofen gebrannt.

Ein älteres Ehepaar läuft an der Nordseite entlang, beide tragen Mützen, beide haben einen Hamburger Akzent. Er schiebt einen Rollator.

"Schau mal", sagt er, "sieht man dort das Riesenrad vom Dom? Das kann doch nicht sein." "Doch, doch, der Winterdom beginnt", sagt sie. "Der Winterdom, Ende Oktober?" "Die bauen jetzt auf." "Nee, nee, heutzutage gibt’s alles zu früh. Spekulatius in den Geschäften und jetzt auch noch den Dom."

Besucher dürfen keine Tiere mitbringen. Eine Ausnahme sind Blindenhunde.

Im Shop der Elbphilharmonie. Drei Freundinnen, Mitte zwanzig, schlendern durch den Raum. Vorbei an Schneekugeln, Tassen, Bechern, an Salz- und Pfefferstreuern und Zollstöcken, Bleistiften, Kugelschreibern und Schlüsselanhängern, vorbei an Brettchen und Kühlschrankmagneten. Alles mit der Elbphilharmonie, dem idealen Motiv für ein touristisches Marketing. Am Ende des Raums bleiben sie stehen, eine bückt sich, zieht einen Turnbeutel hervor, weiße Schrift auf schwarzem Grund: "Aussichtslos war gestern". – "Ach, das ist ja nett", sagt die Frau, und ihre Freundinnen lachen. "Wie schön, dass die sich über sich selbst lustig machen können."

Von der Plaza sind es 89 Stufen bis in den Großen Saal.

Ein Mann mit Stirnband steht mit einem Freund am Geländer, Blick gen Westen. "Da drüben ist die Reeperbahn", sagt er. "Wo? Seh ich nicht." "Bei den schiefen Glastürmen fängt sie an." "Diese abgeknickten Dinger? Was man heute alles baut, um auf sich aufmerksam zu machen."

Unter der Decke hängen zwanzig kleine Geräte. Sie sorgen dafür, dass Tauben abgeschreckt werden.

Eine Mutter läuft mit ihrem Sohn zum Ausgang. Die Mutter mit warmer Daunenjacke, der Sohn trägt Kapuzenpullover. Die Mutter: "Die haben zehn Jahre länger gebraucht als geplant." Der Sohn schaut seine Mutter an, verständnislos. "Na und? Wenn so was dabei rauskommt!"