Weit mehr als 1.000 heimliche Weltmeister soll es geben, allein im deutschsprachigen Raum. Kreiert hat den Begriff "Hidden Champions" einst die Beraterlegende Hermann Simon. Er bezeichnete damit die zahlreichen Unternehmen, die in ihrer Nische so gut und so tief drin sind, dass sie mit ihren Produkten und Diensten weltweit oder zumindest europaweit zum Marktführer wurden. Simon hat gleich mehrere Bücher über dieses besonders in Deutschland stark vertretene Phänomen geschrieben, dem unsere Wirtschaft – abseits von den großen Konzernen – ihre Stärke und Robustheit zu einem großen Teil verdankt.

Nun nutzt auch ein Beraterkollege von Simon, der Business-Coach Cay von Fournier, den Begriff "Hidden Champions" und schmückt sein neuestes Buch damit. Er beschreibt darin Mittelständler, die es "mit Sympathie zur Exzellenz" gebracht haben.

Doch Fournier, ein ausgebildeter Chirurg, umtriebiger Redner und Trainer, hat nicht etwa neue, unbekannte Weltmeister entdeckt, er beschreibt Unternehmen und Organisationen aus Deutschland und der Schweiz, die sich in ihrer Branche und ihrer Region besonders hervorgetan haben. Dazu gehört eine regional aktive Firma für Elektroinstallationen ebenso wie ein international führender Lieferant von Heizsystemen für die Industrie, ein Verbund von Zahnmedizinern und ein Wartungsunternehmen für Nutzfahrzeuge.

Das Interessante an Fourniers Beschreibungen sind nicht die harten betriebswirtschaftlichen Fakten, sondern die weichen Faktoren, die nach seiner Erkenntnis die Basis des Unternehmenserfolgs bilden. Diesen Unternehmen gelingt es, nach innen und außen "sympathisch" zu sein, sie besitzen allesamt eine ausgeprägte Mitarbeiterorientierung und schaffen es, auch die Erwartungen von Kunden und Lieferanten als Menschen zu erfüllen. Fournier will seine Leser, so schreibt er, nicht mit trendigen neuen Konzepten wie "Achtsamkeit", "gekonntem Scheitern" oder "digitaler Transformation" beglücken. Stattdessen beschreibt er ein "Sympathie-Modell" mit zwölf Erfolgsfaktoren, die ein Unternehmen für Kunden und Mitarbeiter attraktiv und sympathisch machen.

Vieles davon klingt allerdings naheliegend. Die Unternehmen zeichneten sich durch Einfachheit, Zuverlässigkeit und beständig gute Arbeit aus. Es klingt sogar etwas platt, wenn Fournier in dem Modell postuliert, dass das "sympathische Unternehmen" finanziell solide, stark und solvent ist, auf dem Markt spannend und souverän auftritt, die Organisation dahinter strukturiert, schnell und sicher ist und der Umgang mit den Mitarbeitern stimmig, sinnvoll und sozial.

Es ist logisch, dass ein Unternehmen eben besser bei Lieferanten ankommt, wenn es seine Rechnungen sofort zahlt, anstatt den Termin auszureizen. Wenn es pünktlich und in beständiger Qualität liefert, anstatt den Kunden hinzuhalten. Und es ist logisch, dass die Mitarbeiter motivierter sind, wenn ihre Ideen auch umgesetzt werden.

Besonders kritisch ist zu sehen, dass Fournier die Fallbeispiele nicht objektiv ausgewählt hat. Es handelt sich durchweg um Unternehmen und Personen, die seine Seminare oder seine Beratung genossen haben. Auch könnte man auf das regelmäßige Eigenlob des Business-Coachs verzichten.

Einige Passagen sind dennoch lehrreich. Zum Beispiel die über eine Inhaberin eines Rewe-Supermarkts, die ihre Kunden anruft, wenn ein Produkt, das diese sich gewünscht haben, im Supermarkt angekommen ist.

Für einige Firmenchefs könnte das Buch auch Anlass sein, etwas mehr über die psychologischen Faktoren der Mitarbeiter- und Unternehmensführung nachzudenken. Sie werden deshalb nicht gleich zum Hidden Champion werden, aber sympathischer allemal.

Cay von Fournier: Hidden Champions des Mittelstands. Mit Sympathie zur Exzellenz
SchmidtColleg, Berlin 2017; 240 S., 24,80 €