I. Erst Kanonen, dann Kunst

Dass es heute Kunst aus Eisen zu kaufen gibt, haben wir den Chinesen zu verdanken. Im 6. Jahrhundert vor Christus erfanden sie den Eisenguss. Europa zog erst im 14. Jahrhundert nach. Eisen war allerdings lange eher ein funktionales Metall. Waffen und Werkzeuge wurden damit produziert. Bald folgten Ofen- und Kaminplatten. Doch im 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich schließlich der Eisenkunstguss, vor allem in Deutschland und den Niederlanden Der 1725 gegründeten Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer gelang es 1784 erstmals, eine antike Statue, eine Bacchantin, in Eisen nachzugießen. Bald folgten Säulen, Taufbecken, Skulpturen, Reliefs, Gefäße, Schreibzeuge und andere Gerätschaften.

II. Erst Gold, dann Eisen

Neben Statuen und Säulen wurde auch viel Schmuck aus Eisen gegossen. Und das liegt vor allem an der Prinzessin Marianne von Preußen. Zu Beginn der Befreiungskriege 1813/15 forderte sie die Bevölkerung auf, "jede entbehrliche wertvolle Kleinigkeit – das Symbol der Treue, den Trauring, die glänzende Verziehrung des Ohrs, den kostbaren Schmuck des Halses" abzugeben. Es ging um die "Rettung des Vaterlandes", also die Finanzierung des Krieges. "Gold gab ich für Eisen" hieß die Parole. Denn als Gegengabe für ihre Goldringe erhielten die Damen Schmuck aus Eisen. Mit eisernem Schmuck Patriotismus zu zeigen wurde zur Mode. Später eröffnete sogar eine Königliche Glockengießerei in Berlin. Ihr Schmuck – Colliers, Armbänder, Broschen, Ringe – sowie Kreuze, Schnallen, Verschlüsse wurden später exportiert und als "Berliner Eisen" oder "Fer de Berlin" selbst in Frankreich geschätzt.

III. Erst Napoleon, dann der Weltkrieg

Die Mode klang nach der napoleonischen Zeit bald ab. Doch im Ersten Weltkrieg kam es zu einer Wiederbelebung. Oft mit pathetischen Inschriften: "In Eiserner Zeit 1916", "Gold gab ich zur Wehr-Eisen nahm ich zur Ehr" oder "Der Mann im Krieg – Die Frau im Haus – mit Gottes Hilf! – Wir halten aus!" stand da auf Medaillen, Anhängern und Pfannen.