Hier eine erschreckend hohe Zahl: 193. So viele Länder gibt es auf der Welt. Und das sind nur die echten Vollländer. Obendrauf kommen noch Länder ohne Mitgliedschaft, halbe Länder sozusagen. Manche davon, Palästina zum Beispiel, kennt man aus den Nachrichten ("Sarah und Palästina Lombardi: Versöhnung nach dem Trennungsdrama!"). Andere kommen nie vor, wie die pazifische Halbland-Koralleninsel Niue. Dabei war Niue 2003 das erste halbe Land der Welt, das seinen halben Bewohnern WLAN zur Verfügung stellte. Mitzählen sollte man auch die drei nichtstaatlichen Völkerrechtssubjekte: der Malteserorden (Prost!), das Rote Kreuz und der Heilige Stuhl. Leider bietet keiner der drei kostenloses WLAN an, der Hotspot am Heiligen Stuhl kostet sogar 25 Dollar für drei Stunden (Drosselung möglich, Mobilfunkkosten können abweichen).

Der Heilige Stuhl ist übrigens nicht mit dem Vatikanstaat zu verwechseln. Macht also über 200 Länder, Halbländer und Doppelpäpste. Dazu kommen jeweils Hauptstädte, Flaggenfarben, Vorwahlnummern, Nationaltänze, Nationalschnäpse, Münzgeld und mittlere Niederschlagswerte. Außerdem nationale Eigenheiten, die man kennen muss, damit man sie nach dem Urlaub zu Hause erzählen kann. "Die Menschen auf Niue sind eher kühl, aber wenn sie einen einmal ins Herz geschlossen haben, sind das lebenslange Freundschaften." Oder: "Die Leute vom Malteserorden sind sehr aufgeschlossen, aber man darf das nicht mit echter Freundschaft verwechseln."

Psychologen gehen davon aus, dass der Mensch sich 150 soziale Beziehungen merken kann. Mit Ländern dürfte das nicht anders sein. Der durchschnittliche Mensch, das sind übrigens Sie. Ja, Sie! Schauen Sie sich doch mal an, für mehr hat es bei Ihnen nicht gereicht. Sie sollten also darüber besorgt sein, dass nun die Katalanen planen, noch ein Land zu gründen. Auch sind schon alle nationalen Eigenheiten, Wappentiere und Schnäpse vergeben, nur "GOLDHAUCH Alter Mirabellen Brand" (8,99 Euro für den halben Liter) wäre noch zu haben. Eher sollte jetzt in die entgegengesetzte Richtung gedacht werden: Mehr als 50 Länder müssen leider weg. Sorry, isso. Das ist nicht bös gemeint. Es geht bloß um Übersichtlichkeit. Bürokratieabbau heißt Länderabbau. Ein Vorschlag: Deutschland nimmt die beliebte internationale Vorreiterrolle ein und schafft sich schon mal ab. Danach einfach alphabetisch vorgehen und von hinten wegkürzen. Vorher darf man sich bei einer prächtigen Parade von der Völkergemeinschaft verabschieden, und dann heißt es: Tschüss, Zypern, arrivederci und goodbye! FINIS

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