Diese Studie wirkt ganz unterschiedlich, je nachdem, welche Zahl man in den Fokus nimmt: LGBT at work, durchgeführt von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG); sie liegt der ZEIT exklusiv vorab vor.

Da wäre zum Beispiel diese Zahl: 41 Prozent der befragten jungen Homosexuellen in Deutschland (und Österreich) geben an, sich ihren Kollegen gegenüber geoutet zu haben. In Großbritannien sind es hingegen 60 Prozent, in Frankreich 52 Prozent. Sind deutsche Unternehmen also homosexuellenfeindlicher als britische oder französische? Der Schluss erscheint voreilig, nimmt man eine andere Zahl aus der Befragung in den Blick: So hält es in Großbritannien und Frankreich circa jeder dritte Befragte für einen Nachteil, offen mit seiner sexuellen Orientierung umzugehen; in Deutschland denkt das "nur" knapp jeder Vierte.

Noch interessanter ist in diesem Zusammenhang die Teilgruppe derer, die sich bereits am Arbeitsplatz geoutet haben, sich also auf ihre eigenen Erfahrungen beziehen können. In Deutschland empfand jeder Zehnte sein Outing als Nachteil, in Frankreich dagegen fast, in Großbritannien sogar mehr als jeder Dritte. 56 Prozent der befragten Deutschen sagten hingegen: Das Outing war für meine Karriere positiv. Auch das zeigt die Befragung also: Die realen Erfahrungen sind in der Regel besser als die vermuteten.

Bleibt die Frage, warum die sexuelle Orientierung für die Karriere überhaupt relevant ist. Homo oder Hetero, das sollte im Job eigentlich egal sein. Dem ist aber noch immer nicht so: Nur zehn Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, dass ihr Outing völlig unerheblich gewesen sei.