DIE ZEIT: Herr Hasenhüttl, Ihre Mannschaft hat gerade innerhalb weniger Tage zweimal gegen Bayern München spielen müssen. Dabei ist RB Leipzig erst, nach großem Kampf, im DFB-Pokal ausgeschieden – und hat am Samstag auch das Ligaspiel in München verloren. Verzweifeln Sie manchmal daran, dass die Bayern am Ende immer gewinnen?

Ralph Hasenhüttl: Das hat nichts mit Verzweifeln zu tun. Im Pokalspiel waren wir mindestens ebenbürtig. Mitunter kam es mir so vor, als wären wir ein Formel-1-Rennwagen, der versucht, an den davor fahrenden Bayern vorbeizukommen. Aber die machen sich da vorne halt sehr breit. Die haben ausgefuchste Spieler, da stehen Weltmeister auf dem Platz. Mitunter sind sie abgezockter als wir. Wobei ich gar nicht weiß, ob wir das wollen: abgezockter sein.

ZEIT: Warum nicht?

Hasenhüttl: Wir sind ein Team, das anders spielt als die meisten. Wir haben eine klare Philosophie und eine ganz bestimmte Art, Fußball zu spielen. Wir wollen immer kämpfen, alles geben, attraktiv und offensiv auftreten. Deswegen wirken wir vielleicht hier und da ein wenig naiv. Aber das ist der Weg, dem wir uns verschrieben haben: immer voll dabei zu sein.

ZEIT: Waren die Strapazen des Pokalspiels, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, ausschlaggebend für die Niederlage auch im zweiten Spiel?

Hasenhüttl: Jedenfalls wurden unsere Chancen dadurch nicht viel besser. Wir haben im Pokal 75 Minuten lang mit zehn Mann gegen elf Münchner gespielt. Dennoch ist meine Mannschaft insgesamt 150 Kilometer gelaufen, genau so viel wie der FC Bayern mit elf Spielern. Das ist einfach Wahnsinn. Respekt, was die Jungs da leisten.

ZEIT: Das Spiel von RB beruht auf Dynamik, auf extrem viel Laufarbeit, intensivem Pressing. Kaum eine andere Mannschaft agiert so athletisch. Tun Ihnen Ihre Spieler mitunter leid, wenn sie sich über 120 oder 90 Minuten verausgaben?

Hasenhüttl: Nein, leid tun sie mir nicht. Das ist Fußball. Aber natürlich weiß ich, dass es harte, sehr harte Arbeit ist. Zurzeit werden wir belohnt – mit dem Gefühl, näher dran zu sein an den Bayern, trotz der jüngsten Niederlagen. Wir waren zuletzt mit den anderen Konkurrenten mehr als auf Augenhöhe, etwa in der Begegnung mit Borussia Dortmund. Das ist eine unheimlich gute Entwicklung. Im Pokal und in der Bundesliga mussten die Bayern alles aufbieten gegen uns. Jedenfalls bis zum neuerlichen Platzverweis am Samstag.

ZEIT: Auch im Bundesligaspiel gegen die Bayern hat RB wieder eine Rote Karte kassiert, diesmal war es der Abwehrspieler Willi Orban in der 13. Minute. Der dritte Platzverweis Ihres Teams in dieser Saison. Gehen Ihre Spieler zu hart in Zweikämpfe?

Hasenhüttl: Ich glaube nicht, dass das eine Frage der Härte ist. Man könnte sich jetzt jedes Duell ansehen. Manchmal war es auch einfach etwas unglücklich. Wenn ich einem Spieler wie Naby Keita, der im Pokalspiel Gelb-Rot erhalten hat, sagen würde: Geh in keine Zweikämpfe mehr! Dann würde ich ihm eine seiner größten Stärken nehmen, die Balleroberung.