Anita Fetz ist SP-Ständerätin in Basel. © privat

Es zeichnet sich ein komplett neuer Asterix-Band ab: Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr. Ganz Helvetien ist bewusst, dass der Klimawandel dem unpopulärer werdenden Wintersport weiter zusetzen wird. Ganz Helvetien? Nein! Ein von uneinsichtigen Subventionsjägern mitbevölkerter Landesteil hört nicht auf, hier Olympische Winterspiele abhalten zu wollen. Und dafür Bundesbern ausgiebig zu schröpfen.

Eingespannt in die Orgie römischen Ausmaßes: Gaius Parmelix, der große Friedensfeldherr der Helvetier. Er will fast tausend Millionen helvetische Sesterzen dafür aufwenden. Stand September 2017. Mit ein bisschen Glück werden es nur hundert Millionen mehr. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber eher Hunderte Millionen mehr.

Und das in einer Zeit, in der nicht nur alle gemeinsamen Kupferkessel leerer werden, sondern in denen auch allen in Helvetien bewusst sein sollte, dass ihre schneesicheren Skiorte langsam wegschmelzen. Wie es schon mit den Gletschern im Hitzesommer passierte. Betroffen sind so ziemlich alle Gebiete in einer Höhe von weniger als 2.000 Meter über einem bekannten gallischen Dorf, in dem kaum je Schnee fällt, dafür aber Hinkelsteine bestens gedeihen.

Der Druidenrat von Helvetia, auch zuständig für die Tourismuszukunft, kritzelte es unlängst so in Wachsplatten: "Der Klimawandel ist in den großen Kontext der Herausforderungen zu stellen: Die Globalisierung verstärkt den Konkurrenzdruck, die Strukturprobleme den Wandlungsdruck, die Rentabilitätsschwäche den Finanzierungsdruck, die technologische Entwicklung den Innovationsdruck, die demografische Entwicklung und der Wertewandel den Anpassungsdruck und die Klimaänderung den Diversifikationsdruck."

Tatsächlich schnellte die Zahl der Skifahrer-tage in den vergangenen Jahren so rasch talwärts wie weiland Bernhardus Russus. Auch weil die Zahl der Schneetage generell zurückgegangen ist. Und die Sesterzen in den Bergen rund um Helvetien erst noch mehr wert sind. Beide Trends kann nicht einmal Miraculix stoppen, geschweige denn umdrehen. Da helfen auch keine teuer zelebrierten Spiele in Sportarten, die sich fast nur noch Helvetiens Eliten leisten können.

Und Wertewandel? Papperlapapp! Für Promotor Johannes Stöcklix ist das sogar ein Argument für Spiele an grünen Hängen, die künftig mit immer mehr Zaubertrank eine Pulverschicht erhalten sollen: "Junge Menschen werden motiviert, Sport zu treiben. Das ist eine Investition in die Gesundheitsprävention." Mit der gleichen Logik könnte man die Milliarde auch in die ununterbrochene Übertragung von Hornusser-, Steinstoßer- und Schwinger-Ausmarchungen versenken.

Wahrscheinlicher als ein präventiver Effekt aber ist, dass dem umtriebigen Bahnus Bankrottus und seiner Sippe unter die Arme gegriffen wird: Zwei Dritteln der helvetischen Bergbahnen geht langsam das Geld aus. Manche haben bereits begonnen, sich gegenseitig zu kannibalisieren.

Da helfen auch keine Olympischen Milliarden-Spiele, die im schlimmsten Fall noch am Volk vorbeigeschmuggelt werden: Die Helvetierinnen und Helvetier sollen nicht einmal etwas zur Verschwendung ihrer Sesterzen sagen können. Derweil unserem Methusalix und seinen Alterskollegen der Gürtel enger geschnallt wird, die Ausbildung in unsere Jungmannschaft nicht mit deren Wachstum Schritt halten soll, die Kosten für Druidenbehandlungen weiter ungebremst ansteigen und dafür die Legionen von Gaius Parmelix so verhätschelt werden, dass sie bald nicht mehr wissen, was sie überhaupt noch kaufen sollen.

So gesehen würde ich es verstehen, wenn ein Gallier in den Innereien einer öffentlich in Raurica geschlachteten Sau liest und den Eindruck bekommt: Die spinnen, die Helvetier!

Nächste Woche in unserer Kolumne "Nord-Süd-Achse": Der Tessiner Financier Tito Tettamanti