Auch Angela Merkel hat ein Konto. Die Kontonummer lautet 800 01020, die Bankleitzahl 800 000 00 bei der Filiale der Deutschen Bundesbank in Halle. Es ist natürlich nicht das Konto von Angela Merkel persönlich, sondern das der Bundesregierung. Die Zahlungen der Ministerien werden über dieses Konto abgewickelt.

Ob die Bundesrepublik Deutschland erstmals in ihrer Geschichte von einem Bündnis aus CDU, CSU, FDP und Grünen regiert werden wird, entscheidet sich auch an der Frage, wie viel Geld auf diesem Konto ist. Beziehungsweise sein wird. Auf mehr als 100 Milliarden Euro summieren sich die Ausgabewünsche der an den Sondierungsgesprächen beteiligten Parteien – und die Koalition wird nur zustande kommen, wenn sich zumindest ein Teil davon auch finanzieren lässt, ohne dass neue Schulden gemacht werden müssen, denn das haben die Parteichefs bereits ausgeschlossen.

Wie viel Geld also hat der Bund?

Eine erste Antwort führt nach Braunschweig. Dort trifft sich in der kommenden Woche der Arbeitskreis Steuerschätzung – eine Gruppe von Haushaltsexperten, Statistikern und Konjunkturfachleuten aus den großen Wirtschaftsforschungsinstituten, der Bundesbank und der Bundesregierung. Der Arbeitskreis Steuerschätzung ist fast so alt wie die Republik, er wurde im Jahr 1955 eingesetzt. Seither rechnen die Fachleute, die ihm angehören, immer im Frühjahr und im Herbst aus, wie viel Steuergeld die öffentliche Hand voraussichtlich einnehmen wird.

Für die Koalitionsverhandlungen ist das Ergebnis von besonderer Bedeutung. Christian Lindner von der FDP hat gesagt, wenn das Resultat der Steuerschätzung vorliege, könne der Finanzrahmen für die nächste Bundesregierung ermittelt werden. Doch so einfach ist das nicht.

Es fängt schon bei der Frage an, welche Einnahmen eigentlich relevant sind. Aus der jüngsten Steuerschätzung vom Frühjahr dieses Jahres geht hervor, dass der Staat im Jahr 2021 – wenn die laufende Legislaturperiode endet – etwa 146 Milliarden Euro mehr in der Kasse haben wird als im Jahr 2016. Diese Zahl hat Lindner zuletzt mehrmals genannt, was wohl auch daran liegt, dass sich mit dem Geld die von der FDP im Wahlkampf geforderte Steuerentlastung in Höhe von mindestens 30 Milliarden Euro im Jahr finanzieren ließe.

Ein großer Teil der erwarteten Mehreinnahmen ist schon verplant

Allerdings enthält die Zahl auch Steuern, die bei Ländern und Gemeinden anfallen – und auf die hat die Bundesregierung keinen Zugriff. Die Mehreinnahmen des Bundes belaufen sich der Schätzung zufolge auf nur 64 Milliarden Euro. Nun werden die Steuerschätzer diese Zahl nach oben korrigieren, weil die Wirtschaftsleistung jetzt stärker wächst als im Frühjahr vermutet – und wenn die Unternehmen höhere Gewinne erwirtschaften und die Arbeitnehmer mehr Lohn ausbezahlt bekommen, profitiert davon auch der Fiskus.

Nach internen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums werden sich die Steuereinnahmen des Bundes durch diesen Effekt um etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr erhöhen. Macht über die gesamte Regierungsperiode 20 Milliarden Euro. Weil die Beamten im Bundesfinanzministerium gewissermaßen an der Quelle sitzen, kennen sie sich mit Steuern besser aus als die meisten Steuerexperten in den Forschungsinstituten.