Es erinnert stark an seine Reality-TV-Show The Apprentice, wie US-Präsident Donald Trump vorging, um einen der wichtigsten Posten des Landes zu besetzen: die Spitze der Notenbank Federal Reserve (Fed). In der Show wählte Trump einst öffentlich aus einer Gruppe von Bewerbern einen Kandidaten aus, der einen Job in seiner Firma erhielt. Er lobte Kandidaten, nur um sie später vernichtend zu kritisieren – und andersherum. Die Auswahl zog sich Monate hin. Wie in The Apprentice ging Trump nun auch bei der Suche nach einer neuen Fed-Spitze vor.

Eigentlich hätte er – wie bisher üblich – der bisherigen Amtsinhaberin Janet Yellen, die sein Vorgänger Obama eingesetzt hatte, einfach eine zweite Amtszeit geben können. Doch Trump nannte Yellen im Wahlkampf eine "Niedrigzinsperson", was er offenbar negativ bewertete. Vor Kurzem ließ er dann allerdings per Twitter wissen, Yellen habe "einen guten Job gemacht".

Umgekehrt erging es Gary Cohn, ehemals die Nummer zwei bei der Investmentbank Goldman Sachs, dem Trump die Stelle zunächst in Aussicht stellte. Nachdem Cohn den Präsidenten nach den Ausschreitungen weißer Rassisten in Virginia kritisierte, war er plötzlich aus dem Rennen. In die Endrunde kamen stattdessen der Geldpolitik-Professor John Taylor, bekannt für seine harte Kritik an der Notenbank, und Jerome Powell, ein Jurist und langjähriger Partner der Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Powell ist der Gegenpol zu Taylor. Er ist seit 2012 einer der sieben Gouverneure der Fed. Unter Yellen hat Powell kein einziges Mal gegen die von ihr geführte Mehrheit gestimmt.

Die Federal Reserve steckt in der Klemme. Schuld daran sind die Notenbanker selbst

Selten habe ein Präsident bei der Auswahl des Fed-Chefs ein solches Drama veranstaltet, mokierte sich die New York Times. Banken ließen seitenlange Analysen anfertigen, welche Vor- oder Nachteile der jeweilige Bewerber für Anleger haben würde. Einig waren sich fast alle über die Tragweite der Entscheidung. Steven Mnuchin, Trumps Finanzminister, nannte die Nominierung "eine der wichtigsten Entscheidungen des Präsidenten".

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe der ZEIT hatte Trump seinen Kandidaten noch nicht bekannt gegeben. Doch wer sich auch immer durchsetzt: Er hat wenig Spielraum für einen Kurswechsel. Der Grund sind die aufgeblähten Finanzmärkte, die jede neue Entscheidung gefährlich machen. Dass die Fed in dieser Klemme steckt, liegt an den Notenbankern selbst. Mit ihrer fast ein Jahrzehnt andauernden Niedrigzinspolitik haben sie maßgeblich dazu beigetragen. Fingerspitzengefühl ist in der Geldpolitik immer wichtig gewesen. Doch Kritiker sehen bei der Fed inzwischen nicht mehr Vorsicht, sondern Angst am Werk. "Ist Yellen von den Märkten als Geisel genommen worden?", fragte die Finanzseite CNN Money im Herbst 2015, nachdem die Fed die Leitzinsen nicht wie erwartet erhöht hatte. Man habe den Zinsschritt wegen der starken Schwankungen an den Finanzmärkten aufgeschoben, sagte Yellen damals. Eine Begründung, die er so in 50 Jahren Analyse der Geldpolitik der Fed nicht gehört habe, sagte David Jones, ein Investmentberater, der früher selbst bei der Fed gearbeitet hat.

Yellen hat Anlass zur Sorge. Nachdem ihr Vorgänger Ben Bernanke im Sommer 2013 angekündigt hatte, die lockere Geldpolitik zurückfahren zu wollen, kam es an den Anleihe- und Devisenmärkten zu einer Panik. Aktienkurse brachen ein. Der Crash ging als taper tantrum, als Trotzanfall der Märkte, in die Annalen der Wall Street ein.

Die Angst der Notenbanker ist verständlich. Nie hatten die Finanzmärkte ein solches Gewicht in der globalen Wirtschaft wie heute. Mehr als 250 Billionen Dollar sind die weltweiten Finanzwerte nach Kalkulationen des Internationalen Währungsfonds wert, dreimal so viel wie die gesamte weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr. Die Geldwirtschaft ist an der Realwirtschaft vorbeigezogen. 1980 beliefen sich die Finanzwerte auf zwölf Billionen Dollar, was damals etwa 110 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprach. "Dieser Ozean an Geld ist so riesig, dass schon Wellen auf der Oberfläche den nächsten großen Einbruch auslösen könnten", warnte kürzlich Ruchir Sharma, Chefstratege bei der Investmentbank Morgan Stanley, im Wall Street Journal.