Eine Frage für Kenner: Was haben der SPD-Wahlkampf, Neuwahlen, eine europäische Transferunion und ein Buch von Boris Palmer gemeinsam? Genau: Sie sind "Wasser auf die Mühlen der AfD". Zumindest haben das diverse Politiker in den vergangenen Wochen immer mal wieder behauptet. Und jetzt, wo in Berlin sondiert wird, ist diese Formulierung wieder besonders angesagt, suggeriert sie doch, dass man selbst äußerst vernünftige Dinge fordert, die anderen aber schon fast so schlimm sind wie die Neuen am rechten Rand.

Den "gärigen Haufen" (Gauland), der nun im Parlament sitzt, dürfte das freuen. Denn bislang haben sie es eigentlich bloß geschafft, sich drei Wochen lang ausnahmsweise nicht als Partei selbst zu zerlegen. Trotzdem beschuldigen sich die anderen gegenseitig wie wild, der AfD – auch sehr beliebt – "in die Karten zu spielen".

So hat die AfD schon manches von dem erreicht, was Populisten überhaupt nur erreichen können, nämlich den politischen Handlungsspielraum zu begrenzen und als kleiner Teufel auf der Schulter der Etablierten die Debatten zu lenken. Eigene Vorschläge brauchen sie dafür gar nicht.

Ihre Diskursmacht gewinnen die Populisten auch dadurch, dass andere das Spiel mitspielen. Es braucht jene, die ihre Drohgebärden glauben, um aus der Zwölfprozentpartei den schlafenden Riesen zu machen, der die AfD gerne wäre. Kurz: Das Gerede vom Wasser auf den Mühlen der AfD – ist Wasser auf die Mühlen der AfD.