Vor einem Jahr wurde Donald Trump gewählt, seit Januar ist er im Amt. Seine Kritiker im In- und Ausland tun seine bisherige Präsidentschaft als chaotisch, skandalgeplagt und weitgehend erfolglos ab.

Doch die Schlagzeilen um seine Beziehungen zu Russland und missratene Twitternachrichten verstellen den Blick auf das Wesentliche.

Trump hat die USA in nur zehn Monaten stärker umgekrempelt als die meisten seiner Vorgänger. Die von ihm initiierte Steuerreform mag nicht die "größte Steuersenkung der Geschichte" sein. Aber wenn auch nur Teile davon vom Kongress abgesegnet werden, dann wird sie fundamentale Umwälzungen zur Folge haben. Der jüngste Vorschlag, der im Repräsentantenhaus vergangene Woche vorgestellt wurde, sieht eine Kürzung der Unternehmenssteuer von 35 auf 20 Prozent vor. Um die Verluste für die Staatskasse wettzumachen, wollen Trump und die Republikaner die Möglichkeit abschaffen, kommunale Grundsteuern und Abgaben an die Bundesstaaten von der Einkommensteuer abzusetzen. Damit würde die Steuerbelastung für Bewohner von Städten und Bundesstaaten mit bereits hohen Abgaben noch einmal steigen. Die Maßnahme würde vor allem die Metropolen an den Küsten treffen, deren Bewohner mehrheitlich die Demokraten wählen und bei der vergangenen Wahl oft für Clinton stimmten. Diese Änderung würde nicht nur die Steuereinnahmen der Bundeskasse erhöhen, sondern hätte dazu den offenbar gewünschten Nebeneffekt, den politischen Gegner zu schwächen.

Wie bei Obamacare gibt es auch gegen die Steuerreform Widerstand aus den eigenen Reihen. Doch jenseits dieser großen Gesetzesvorhaben, für die Trump den Kongress braucht, gibt es genug Möglichkeiten, seine Vorstellungen umzusetzen. Und die nutzt Trump konsequent.

Selbst die Umweltbehörde wird zum Kumpel der Industrie

Fast kein Ressort in Washington, das der neue Präsident nicht bereits auf Industrie-Linie getrimmt hätte. Nachdem die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen waren, arbeitete Scott Pruitt, der Leiter der Umweltschutzbehörde EPA, daran, Obamas strenge Emissionsgrenzen für Kohlekraftwerke zu kippen. Gleich nach Pruitts Amtsübernahme entschied sich die EPA gegen ein Verbot des Insektizids Chlorpyrifos. Das Mittel, in den sechziger Jahren von Dow Chemical auf den Markt gebracht, wird mit Entwicklungsstörungen bei Kindern, Lungenkrebs und Parkinson verbunden. Schon vor fast zwei Jahrzehnten wurde deshalb der Einsatz in geschlossenen Räumen verboten. Unter Obama hatte die Behörde eine Ausweitung des Verbots auch für den Einsatz in der Landwirtschaft vorbereitet.

Dow spendete eine Million Dollar für die Feier zu Trumps Amtsantritt.

Innenminister Ryan Zinke, dem die Nationalparks und Naturschutzgebiete unterstehen, soll auf Anweisung von Trump prüfen, ob die geschützten Flächen verkleinert werden könnten oder das Land zumindest für Energie- und Minenkonzerne genutzt werden kann.

Trump hat seinem Parteifreund Orrin Hatch, dem Senator von Utah, bereits angekündigt, das von Obama eingeführte Nationaldenkmal Bears Ears in dem Bundesstaat deutlich zu verkleinern. Bears Ears sollte heilige Stätten der Hopi, Zuni und Utes schützen. Die Stämme haben juristischen Widerstand angekündigt.