Noch im Abgang kann es Bundesjustizminister Heiko Maas nicht lassen, den Deutschen das richtige Bewusstsein gesetzgeben zu wollen. "Die Kinder dieser Welt brauchen unsere Aufmerksamkeit", twitterte der Sozialdemokrat. "Auch deshalb: Kinderrechte ins GG!"

Man kann das natürlich machen, das Grundgesetz wie eine Litfaßsäule mit Solidaritätsadressen an alle möglichen Gruppen vollkleistern, die unter Umständen nicht ständig sämtliche politische Aufmerksamkeit konsumieren. Dann sieht der Grundrechteraum nur irgendwann ziemlich barock aus. Wenn schon Kinderrechte, warum dann nicht auch Babyrechte, Seniorenrechte oder Rechte für die Eltern von pubertierenden Teenagern? Eine Verfassung lebt auch von philosophischer Klarheit und Konsistenz; wer sie mit überflüssigem Dekor vollstopft, verringert ihre Glaubwürdigkeit.

Überflüssig ist der Vorstoß, weil Kinder heute schon Grundrechte haben – zum Beispiel auf Spielplatzlärmmachen – und sie diese, ein einsichtsfähiges Alter vorausgesetzt, auch einklagen können. Sie haben sogar – das folgt aus dem Erziehungsrecht des Artikel 6 – ein besonderes Recht auf Schutz durch ihre Eltern. Der Staat wacht darüber, dass Eltern dieses Recht am Kindeswohl ausrichten. Wenn dies immer funktionieren würde wie im Lehrbuch, gäbe es keine misshandelten Kinder, sicher. Aber Tugendmalerei auf Verfassungspapier ändert an Defiziten in der Praxis nichts. Sie zu beseitigen bleibt Aufgabe aller – des einfachen Gesetzgebers, von Beamten, Lehrern, Nachbarn.