Die Haut, in der wir stecken, sagt viel über uns und unseren Lebenswandel aus. Höchste Zeit, mal etwas über sie zu erzählen

Meist unbemerkt erledigt sie ihren Job, schafft ein optimales Körperklima, repariert Schäden und schützt uns vor ungebetenen Gästen, giftigen Substanzen oder Strahlen. Sie warnt uns vor Gefahren, lässt uns andere Menschen spüren, vermittelt zwischen unserem Inneren und der Umwelt und grenzt uns trotzdem sicher ab: unsere Haut. Sie ist viel mehr als nur die knapp zwei Quadratmeter große Hülle unseres Körpers, die wir tagtäglich unter der Dusche schrubben, mit Kleidung bedecken und mit Tattoos, Make-up oder Botox-Spritzen zu verschönern suchen. Sie ist ein Multitalent. So sorgen circa 80 Kilometer Nervenfasern in der Haut eines Erwachsenen dafür, dass Reize, die von Millionen von Sensoren aufgenommen werden, weitergeleitet und von uns wahrgenommen werden können. Darüber hinaus arbeiten etwa 18 Kilometer Blutgefäße und zwei Millionen Schweißdrüsen unter anderem daran, dass unsere Körpertemperatur konstant bleibt.

Die Haut ist unser Tor zur Außenwelt – und auch ein Spiegel unserer Seele. Wir werden blass, wenn wir erschrecken, wir erröten, wenn uns etwas peinlich ist, und wir bekommen eine Gänsehaut, wenn wir uns ängstigen oder gerührt sind. Und weil die Haut ständig mit unseren Organen und mit dem Immunsystem in Kontakt steht, können auch Erkrankungen an ihr Spuren hinterlassen. Eine kranke Leber etwa kann die Haut gelb färben, eine Nahrungsmittelallergie sie jucken lassen.

Doch anstatt die Haut wertzuschätzen, strapazieren wir sie durch übertriebene Hygiene, Stress, Rauchen oder Alkohol. Und auch wenn wir es besonders gut meinen, ist beim Einsatz von Pflegeprodukten eher Zurückhaltung geboten: Die Haut kann nämlich meistens sehr gut für sich selbst sorgen.

Neurodermitis ist eine nicht ansteckende, chronische Erkrankung, die oft in Schüben verläuft. Entzündungsreaktionen schädigen die Haut, sodass Reizstoffe, Keime und Allergene leichter eindringen. Auch die Zusammensetzung der Hautfette verändert sich, dadurch verliert die Haut viel Feuchtigkeit. Im akuten Schub ist sie gerötet und juckt stark. Längerfristig ist sie oft trocken, rissig und verdickt. Die Ursachen von Neurodermitis sind vielfältig und nicht vollständig geklärt. Eine genetische Veranlagung und zahlreiche weitere Faktoren spielen eine Rolle: Allergien, zu viel Hygiene, eine Reizung durch Waschmittel ebenso wie psychischer Stress.

Die Haut mag gesunde Ernährung, Meerwasser und Aloe vera. Zu viel Sonnenlicht und Zigaretten setzen ihr dagegen zu. Nikotin verengt die Blutgefäße und damit die Nährstoffzufuhr der Haut. Auch Tätowieren mag sie nicht: Sie wird dabei durch die Nadel verletzt, was Entzündungen verursachen kann. Tätowierfarben können zudem allergische Reaktionen auslösen.

Kommt die Haut in Kontakt mit Dingen, die sie nicht mag, kann ein allergisches Ekzem entstehen. Auslöser sind Nickel (in Schmuck), Kosmetika und Gummi. Frauen verwenden mehr Schmuck und Kosmetik und arbeiten öfter in Berufen, in denen sie mit Allergenen konfrontiert sind: etwa als Friseurin oder Pflegekraft. Deshalb sind sie häufiger als Männer betroffen.

Unglaubliche zehn Gramm Hautschuppen verliert jeder Mensch im Schnitt am Tag. Die abgestorbenen Hornzellen lösen sich aus der Oberhaut und rieseln unbemerkt zu Boden oder bleiben an der Kleidung haften. Pro Jahr und Mensch ergibt das einen Haufen von 3.650 Gramm Gewicht – in etwa so viel, wie ein neugeborenes Baby wiegt.

Körperpflege im internationalen Vergleich: Italiener wollen gar nicht mehr raus aus dem Badezimmer, am wenigsten Zeit nehmen sich die Chinesen. Im Schnitt verbringen wir Menschen vier Stunden pro Woche mit Baden, Rasieren, Haaremachen, Make-up und Anziehen. Frauen gönnen sich dafür 42 Minuten pro Tag, Männer nur 27 Minuten.