Nett ist das nicht. Der Aufzug an der S-Bahnstation Stadthausbrücke ist seit Wochen außer Betrieb. Und kurz nachdem er seine Dienste eingestellt hatte, erwischte es auch eine Rolltreppe. Seither müssen die Bewohner der Neustadt beim Benutzen der S-Bahn ein ambitioniertes Fitnessprogramm auf sich nehmen und Einkaufstaschen, Reisekoffer, Kinderwagen, Säuglinge drei Treppen nach unten schleppen. Muss die Bahn ehemals liebende Eltern wirklich dazu bringen, sich nach Stufe 37 zu wünschen, sie hätten niemals Zwillinge bekommen? Ganz zu schweigen von Älteren und Gehandicapten, denen nichts weiter bleibt, als anderswo einzusteigen, an einer S-Bahn-Station, an der Aufzüge und Rolltreppen funktionieren, egal, wohin die Bahn fährt.

Wie gesagt: So geht es seit Wochen. Dazu kommt ein Schild. Dort steht, unter der subtil-vorwurfsvollen Bemerkung, es handle sich um Vandalismusschäden, die hier repariert werden müssten: "Der Aufzug steht Ihnen wieder zur Verfügung ab: KW ..." KW bedeutet "Kalenderwoche", und dahinter hatte jemand anfangs eine 42 geschrieben, für "Kalenderwoche 42", die Woche ab dem 16. Oktober. Eine Woche, die von den leidgeprüften Fahrgästen immer sehnlicher erwartet wurde. Doch als am ersten Tag der Woche Nummer 43 die Fahrgäste anrückten, in Feierlaune trotz schweren Gepäcks, Rollis und Kinderwagen, manche sogar schon, denn jetzt war doch alles gut, ein weiteres Kind planend – war der Aufzug immer noch außer Betrieb. Die Rolltreppe ebenso. Und auf dem Schild stand hinter "KW" eine neue Ziffer. Eine 45.

Es kommt immer wieder vor, dass Bahnkunden das Gefühl haben, für den Logistikkonzern nur lächerliche, hilflose Figuren zu sein, die man – "senk ju for laughing at us!" – nach Strich und Faden veralbert. Sitzen also die Monteure der Bahn tatsächlich wochenlang da, schaukeln ihre Hosenbeine, filmen vielleicht noch die besten Treppenstürze, um sie an eine Pleiten, Pech und Pannen- Show zu verscheuern? Und alles, was sie nach der 42. Woche tun, ist, kichernd aus einer 42 eine 45 zu machen?

Natürlich nicht. Da ist schon das Konzernprogramm "Zukunft Bahn" vor, erläutert Sprecher Egbert Meyer-Lovis, mit dem Ziel, die Verfügbarkeit "kundenrelevanter" Aufzüge und Fahrtreppen in Ballungszentren auf 97 Prozent zu steigern. "Dieses Ziel wurde erreicht und wird gehalten." Nicht zuletzt, indem die Bahn Aufzüge und Fahrtreppen mit Fern-Fehlerdetektoren ausrüstete, "zudem werden die Wartungen nicht nur tagsüber, sondern verstärkt auch nachts durchgeführt". Gehemmt werden die wackeren Wartungstrupps allerdings, wenn Vandalen zuschlagen oder wenn die Hersteller Ersatzteile, wie so oft, nur verzögert liefern können. Weshalb die Bahn mittlerweile sogar wieder eigene Ersatzteillager aufgebaut hat und weiter aufbaut.

Oder aber wenn, wie in diesem Fall und bei der Bahn gefühlt gar nicht unüblich, Pech im Spiel ist.

Bei der defekten Rolltreppe an der Stadthausbrücke muss ein neuer Drehzahlwächter her, rollen soll sie wieder in einem halben Monat. Und den Fahrstuhl hatte ein Reparaturtrupp in der 42. Kalenderwoche tatsächlich wieder zum Laufen gebracht. Doch noch bei den Probefahrten fiel die sogenannte Steuerplatine aus. "Das Ersatzteil wurde beim Hersteller bestellt und wird am 6. November geliefert und eingebaut", sagte Egbert Meyer-Lovis vorige Woche. Bei Redaktionsschluss dieser Kolumne tags drauf stand der Aufzug noch immer still. Bleibt zu hoffen, dass er aus Sicht der Bahn auch wirklich "kundenrelevant" ist.