Männer schieben jetzt ja auch immer öfter Kinderwagen durch Parkanlagen und Fußgängerzonen. Das ist großartig, keine Frage, ein hart erkämpfter Fortschritt. Sie tun es aber, wenn nicht alles täuscht, auf absichtsvolle Weise beiläufig. Und das sagt wahrscheinlich mehr über den Wasserstand in Sachen Gleichberechtigung im Land als das Schieben allein. Sie tun es nämlich: einhändig. Vorzugsweise mit links.

Die zweite Hand, das haben nicht repräsentative private Alltagsstudien ergeben, steckt in der Hosentasche. Oder sie hält ein Handy, mit dem telefoniert wird, auf dem herumgetippt oder gelesen wird. Manchmal ruht in der zweiten Hand auch der Kaffeebecher oder eine Flasche Bier, aber nie, niemals liegen beide Hände nebeneinander auf dem Bügel. Es ist fast so, als sei das beidhändige Schieben mit Y-Chromosom unmöglich oder evolutionsbiologisch radikal ausgemendelt worden.

Natürlich ist das eine Demonstration. Eine Demonstration der Stärke. Der Überlegenheit. Der eigenen Lässigkeit. Dieses Kinderding, dieses Rumgeschiebe, das mache ich doch mit, eben: links. Das braucht nicht den ganzen Mann. Das kostet nicht alle Kraft und Konzentration. Das integriere ich so elegant nebenbei in den Lebensflow, da bleiben noch Optionen offen.

Das beidhändige Schieben, das ist für hysterische Großmütter und verkrampfte Vollzeitväter. Und außerdem braucht es die zweite Hand ja auch, um einen Notruf abzusetzen, wenn das Balg mal wirklich brüllt. Einen Notruf an Mama.