DIE ZEIT: Wissen Sie bei jedem Ihrer Kunstwerke, zu welchem Preis es verkauft wurde?

Barbara Kruger: In meiner Kunst geht es um Wirtschaft und Kapital. Natürlich kenne ich die Preise! Meiner Meinung nach sollte kein Kunstwerk mehr als 1.500 Dollar kosten. Aber so funktioniert der Kunstmarkt nun einmal nicht.

ZEIT: War das schon immer so?

Kruger: Als ich als junge Künstlerin in New York angefangen habe, Anfang der 1970er Jahre, ging es ums Ausstellen. Nicht ums Verkaufen. Heute meinen viele junge Künstler, Ausstellen und Verkaufen sei dasselbe. Das ist es nicht. Uns ging es beim Ausstellen um den Diskurs mit anderen Künstlern. Erst seit etwa 30 Jahren können noch lebende Künstler ihre Kunst überhaupt verkaufen. Bei meiner ersten Ausstellung in New York habe ich 75 Dollar pro Bild verdient. Meine Galeristin hat die Bilder für 1.200 Dollar verkauft, aber ich musste Rahmen und Druckkosten bezahlen. Heute werden diese Bilder für enorme Summen versteigert.

ZEIT: Ich kenne einen Künstler, der den Umgang mit den eigenen Finanzen lieber seinem Vater überlässt, einem früheren IBM-Manager.

Kruger: Ich bin im Norden von New Jersey aufgewachsen. Meine Eltern haben niemals irgendetwas besessen. Wir hatten nichts. Ich komme aus einer anderen Klasse. Wir wussten nichts von Finanzen und Kapital und Profiten.

ZEIT: Wenn man als Künstler anfängt, kann man nicht erwarten, viel Geld zu verdienen.

Kruger: Ich hatte niemals die Erwartung, meine Kunst verkaufen zu können. Ich nicht, ich hatte einen Vollzeitjob.

ZEIT: Als Grafikdesignerin.

Kruger: Ich hatte keinen College-Abschluss. Mit 19 habe ich als Sekretärin gearbeitet. Danach habe ich Telefonrechnungen ausgestellt. Dann bin ich bei Condé Nast gelandet und habe dort als Grafikerin bei deren Zeitschriften Mademoiselle, Vogue und House & Garden angefangen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich Künstlerin sein könnte. Als ich jung war, bestand die New Yorker Kunstszene aus zwölf weißen Kerlen.

ZEIT: Kaufen Sie selbst die Kunst anderer Künstler?

Kruger: Nein. An meine Wände kommt mir nichts. Gar nichts.