Was für ein Auftritt: ein Mammut, ganz in Gold gekleidet. Ein echtes Skelett mit Stoßzähnen, Knochen für Knochen von schimmerndem Blattgold bedeckt. So ruht es sonnenbeschienen in einer gläsernen Vitrine, schlanke Palmen rascheln über ihm im Wind, nebenan plätschert der Pool, jenseits des Boardwalks liegt das Meer. Damien Hirsts elefantöse Skulptur Gone, But Not Forgotten ist der fetteste Klunker im Garten des neuen Faena Hotels Miami Beach. Und passt in seinem glamourösen Exhibitionismus wunderbar hierher. Das ganze Hotel ist ähnlich gestimmt. Schon die Lobby, die hier "Kathedrale" genannt wird. Da hängen hinter acht goldlackierten Säulen acht riesige Gemälde, die geradezu dampfen vor tropischem Symbolismus. Sie heißen Pax, Illuminatio, Amor oder Revelatio. In echten Kathedralen würde so ein Bilderzyklus von Jesus’ Passion erzählen. Und hier? "Die Bilder", sagt eine Angestellte, "handeln von Alans innerem Weg und von den Werten, die ihm wichtig sind."

Im Ernst? Alan Faena ist ein Developer, ein Immobilienentwickler also, und kein Guru. Aber wahrscheinlich gibt es derzeit keinen besseren Ort als Miami für jemanden, der in beiden Disziplinen punkten will. Die Stadt erlebt momentan einen einzigartigen Bau- und Selbstbewusstseins-Boom. In den letzten Jahren haben Frank Gehry ein Konzerthaus, Herzog & de Meuron ein Museum für zeitgenössische Kunst und Nicholas Grimshaw ein Science Museum gebaut. Kultur spielt plötzlich eine wichtige Rolle, ganze Viertel werden frisch aufgezäumt, reprogrammiert, großzügig mit Kunst durchschossen. Floridas Spaßrakete, plötzlich ein Ort für Höheres – das wollte ich mir genauer ansehen. Und habe dort eingecheckt, wo die Gegenwart einen besonders glänzenden Eindruck macht, im pompösesten Hotel des neuen Miami.

Alan Faena und seinem Geldgeber Len Blavatnik gehören nebenan noch eine Handvoll weiterer Grundstücke und Bauten. Zusammengenommen reicht es sogar für den eitlen Eigennamen "Faena District". Der 53-jährige Argentinier Faena hat als Modemacher angefangen und ist dann erst Developer geworden, zunächst in Buenos Aires, inzwischen in Miami. Für das Hotel am Beach ließ er ein abgetakeltes Luxushaus der fünfziger Jahre neu einkleiden von zwei der verschwenderischsten Ausstatter Hollywoods, Baz Luhrmann und Catherine Martin, Regisseur und Innenarchitektin des Great Gatsby mit Leonardo DiCaprio.

Angemessen glitzy ist man nun darin unterwegs, läuft über treibsandweiche Teppiche in Knallrot und Türkis oder ruht auf knallroten Polstern unter türkisfarbenen Sonnenschirmen. Vor den Muschelfriesen in der Patio-Bar sitzt eine Runde sorgfältig zerzauster argentinischer Midlife-Rocker, deren Hemden gar nicht so viele Knöpfe haben, wie sie gerne über der Brust offen stehen ließen. Im Restaurant ranken sich zwischen polierten Powertalkern gemalte Dschungelpflanzen die Wände empor, in der Mitte des Saals thront ein Hirst’sches Einhorn über einem mäandernden Bett aus echtem Moos. Kitsch!, denke ich manchmal, dann wieder: Kunst!, am Ende einfach: großes Kino!

Für das totale Faena-Panorama muss man raus auf die Straße, wo entlang der dreispurigen Collins Avenue die Bausteine seines "Districts" versammelt sind, allesamt so gleißend gewandet wie ihr Meister, der auch immer nur in Weiß herumläuft, Anzug, Hemd und Hut. Schräg gegenüber des Hotels hat Rem Koolhaas’ Büro OMA gleich drei schmucke Kästen nebeneinandergestellt: das von spinnennetzartigen Fensterbändern überzogene Faena Forum mit einer Miniarena aus rosa Marmor für Events zwischen Debatte und Rollerdisco; das Faena Bazaar, einen noch unbelebten Shopping-Würfel; sowie das Faena Park, ein Parkhaus mit gelochter Fassade und gläsernem Autoaufzug. Zum Meer hin steht, in Norman-Foster-Design, der Apartmentturm Faena Versailles Contemporary, viel Glas, umgürtet von weit ausschwingenden Balkonkragen. Die Penthousewohnung darin wurde für 60 Millionen Dollar verkauft – ein neuer Rekordpreis für Miami.

Und ein weiterer Beweis für den gewaltigen Schub, den die Stadt erlebt – einzigartig in den USA. Die Finanzkrise schlug zwar auch hier böse ein vor zehn Jahren, kam aber auf Dauer nicht an gegen Miamis wachsende Attraktivität. Vor allem die Reichen Südamerikas, aus Brasilien, Kolumbien, Argentinien und Venezuela, investieren gern in der US-Metropole, deren Latin Swing ihnen naheliegt, deren Klima sie lieben, deren Sprache sie sprechen. Und bringen so ihr flight capital vor der Instabilität des eigenen Landes in Sicherheit.

Viele suchen einen "Safe im Himmel", ein Hochhausapartment mit Meerblick, als sonnige Geldanlage. Ich sehe die Condos zu Hunderten, während ich auf dem hölzernen Boardwalk gen Süden schlendere, von Mid-Beach nach South Beach, in klassischer Urlaubskulisse: Links glüht der Strand, vom wohltemperierten Atlantik sanft beschäumt, gerade knattert ein Sportflieger drüber hin mit dem Spruchband: Alex, will you marry me – again?, rechts reihen sich heckenbewehrte Pools, Vorgärten und Barterrassen aneinander. Jogger mit E-Armband federn vorbei, Badende kreuzen tropfnass den Weg, dann erreiche ich den Ocean Drive, die Paradestraße des Party-Miami.