Der Videobeweis soll den Fußball gerechter machen; aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Dass er sein Ziel nicht immer erreicht, konnte man zuletzt in der Bundesliga beobachten. Und so steht das teure Prestigeprojekt des deutschen Fußballs nach nicht mal drei Monaten auf der Kippe. Mal helfen die Bilder, einen Fehler zu beheben. So wurden Wolfsburg im Spiel gegen Berlin zwei Abseitstore zu Recht aberkannt. Es kam aber auch vor, dass der Irrtum erst durch den Eingriff des Mannes an den Monitoren entstand. So beim Elfmeter für die Bayern auf Schalke im September. Der Schiedsrichter auf dem Platz erkannte, dass es sich um kein absichtliches Handspiel gehandelt hatte. Hilfreich ist die Technik bei Abseits und anderen messbaren Situationen, etwa bei der Aufklärung, ob ein Ball im Aus war. Am Ziel jedoch, das Fußballspiel gerechter zu machen, kann der Videobeweis nur scheitern.

Denn die wenigsten Szenen sind eindeutig falsch oder richtig. Die Entscheidung, ob ein Foul oder ein Handspiel vorliegt, hat meist einen subjektiven Anteil. Selbst die besten Schiris sind sich oft nicht einig. Schon der Begriff "Beweis" führt in die Irre. So bedürfen Beweisbilder selbst der Auslegung durch den Spezialisten.

Die Video-Schiris haben willkürlich eingegriffen, manchmal falsch. Sie sollten das jedoch nur bei eklatanten Fehlern tun, im Schnitt nicht viel mehr als dreimal pro Spieltag.

Hellmut Krug war beim DFB verantwortlich für die Einführung des Videobeweises. Über ihn heißt es, er habe das Leistungsprinzip im Schiedsrichterwesen abgeschafft und Günstlinge befördert. Das sagen die zwei besten deutschen Schiedsrichter, Manuel Gräfe und Felix Brych. Sie trauen Krug zu, im Videoraum in Köln manchen Kollegen mehr zu helfen als anderen. Der aus Gelsenkirchen stammende Krug sieht sich außerdem dem Verdacht ausgesetzt, als Supervisor Einfluss zugunsten Schalkes genommen zu haben. Der Videobeweis könnte sogar Manipulation erleichtern.

Der Vorwurf ist nicht bewiesen. Der DFB hat ihn in einer Pressemitteilung nicht entkräftet. Darin gab der Verband bekannt, Krug als Chef abzusetzen, getrennt hat er sich von ihm aber nicht. Überhaupt scheint der DFB von der Sache überfordert. Er hat es nicht geschafft, die neue Technik so einzusetzen, dass die Entscheidungen der Schiedsrichter besser werden.

Das Schiedsrichterwesen leidet zudem an dem Problem der Intransparenz bei Bewertung und Ranking. Mag sein, dass manche Manager und Trainer den Videobeweis aus Sturheit ablehnen. Doch ihre Kritik darf nicht ignoriert werden. Der neue Projektleiter Lutz-Michael Fröhlich muss wieder Vertrauen in die Schiedsrichter und unter den Schiedsrichtern aufbauen. Will er den Videobeweis retten, muss er aber vor allem dessen Grenzen begreifen.