Klaus-Michael Kühne ist immer gegenwärtig im HSV. Jeder im Verein hat eine Meinung zu ihm. Nur gehen die weit auseinander. Es gibt Mitarbeiter, die sagen: Diesen Mann kann man nur mit Erfolg bremsen, und das ist auch gut so. Er legt den Finger in die Wunde und spricht den Fans aus der Seele. Und es gibt Mitarbeiter, die sagen: Dieser Mann lässt uns nicht in Ruhe. Er hat ja berechtigte Anliegen, aber er grätscht immer zum falschen Moment öffentlich rein.

Einer seufzt und sagt: Warum gerade jetzt? Man kann ihn verstehen. Warum gerade jetzt, da sich zum ersten Mal seit Jahren eine echte Erfolgsgeschichte des HSV erzählen lässt?

Das Talent

Um auch das gleich klarzustellen: Jann-Fiete Arp ist nicht der Retter des HSV. Er ist der erste Spieler der Bundesliga, der im neuen Jahrtausend geboren ist. Er hat zwei Tore in drei Einsätzen geschossen. Er hält gegen zehn Jahre ältere Profis nicht nur mit, sondern hält sie im Strafraum das ein oder andere Mal zum Narren. Er hat allerdings erst ein einziges Spiel durchgespielt. Niemand sollte von ihm erwarten, dass er die Mannschaft in seiner ersten Saison als mit Abstand jüngster Spieler aus der Abstiegszone führt. Er muss geführt werden. Er braucht Unterstützung, damit er weiter so selbstsicher auftreten kann, als würde er noch immer für die Juniorenmannschaft der unter 19-Jährigen gegen den Niendorfer TSV oder den Chemnitzer FC spielen.

Das ist ein Problem in diesem Bundesliga-Team des HSV, das so viele exzellente Führungsspieler hat wie Deutschland Wüstengebiete. Aber es ist auch ein Problem, das sich in den nächsten Jahren ändern könnte.

Denn auch wenn Jann-Fiete Arp nicht der Retter des HSV ist: Er ist der beste Vertreter einer Nachwuchsabteilung, die derart viele Talente hervorbringt, dass der HSV extrem viel falsch machen muss, um in den nächsten drei, vier Jahren weiterhin so schlecht dazustehen wie in den vergangenen drei, vier Jahren.

Das liegt vor allem an einem 57-jährigen Mann, der seit Sommer 2014 im Verein arbeitet und als einziger Funktionär aus der Führungsriege nicht rausgeflogen ist: Bernhard Peters. Als Peters jung war, trainierte er Hockey-Spieler. Erst die deutschen Junioren, mit denen er Europameister und Weltmeister wurde. Dann die deutsche Nationalmannschaft, mit der er zweimal die Weltmeisterschaft gewann. 2006 wollte ihn Jürgen Klinsmann, der Erneuerer des deutschen Fußballs, zum Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes machen. Klinsmann scheiterte mit der Idee, Peters wechselte trotzdem die Sportart. Er baute in Hoffenheim acht Jahre lang die Nachwuchsabteilung um. Die U17 und die U19 wurden Deutsche Meister, die erste Mannschaft stieg aus der dritten in die Bundesliga auf. Spieler wie Niklas Süle, mittlerweile bei Bayern München, wurden als Teenager Stammspieler in der ersten Mannschaft und später von Bundestrainer Joachim Löw in die Nationalelf berufen.

Seit drei Jahren gibt es das Prinzip Hoffenheim in Hamburg. Peters hat neue Trainer geholt, lässt die Teams aus der Region systematisch beobachten, damit dem HSV kein hochbegabter Spieler durchrutscht, holt Toptalente aus dem Ausland, trieb den Bau des Nachwuchs-Leistungszentrums am Stadion voran und hat mit seinem System etwas im Verein etabliert, was viele nur noch vom Hörensagen kennen: Erfolg. Die Junioren-Mannschaften stehen entweder auf dem ersten Platz oder nur knapp dahinter. Insgesamt gibt es beim HSV inzwischen zwanzig Spieler, die von ihren Ländern in Junioren-Nationalmannschaften berufen wurden.