Für einen finanziell maroden Verein wie den HSV ist dieser Weg die einzige Möglichkeit, wieder Anschluss zu finden an die Konkurrenz. Wer kein Geld mehr hat, kann keine Stars aus dem Ausland verpflichten. Er muss auf den eigenen Nachwuchs setzen. Das haben sie mittlerweile im Verein verstanden. Im bundesweiten Vergleich gehörte der HSV lange nicht zu den besten Talent-Ausbildern. Zu wenige Nachwuchsspieler schafften es bis in die Bundesliga. Das hat sich in dieser Saison geändert. Neben Jann-Fiete Arp erhielten Außenstürmer Tatsuya Ito, Mittelstürmer Törles Knöll und Mittelfeldspieler Vasilije Janjičić Einsatzzeiten in der ersten Mannschaft.

Weitere sollen folgen. Der HSV hat unter Peters einen sogenannten Perspektiv-Kader aufgebaut. Er besteht aus 20 Spielern, sie kommen aus allen Junioren-Mannschaften und sind die größten Talente des Vereins. Mit Ex-Bundesliga-Profi Marinus Bester haben sie einen eigenen Betreuer. Das Ziel dieser persönlichen Förderung: "Wir wollen so viele Spieler wie möglich in den Bundesliga-Kader kriegen, die ihren Leistungshöhepunkt noch vor sich haben", sagt Bernhard Peters. Und weil Peters ein Stratege ist, hat er für dieses Prinzip auch einen technischen Begriff parat, den er gern wiederholt: "Wertsteigerungspotenzial".

Das klingt wie eine Zauberformel für den von üblem Fußball und Finanzproblemen ermatteten Verein. Spieler werden nicht mehr wie bislang üblich für viel Geld von anderen Vereinen geholt, um einige Jahre später für weit weniger Geld verkauft oder verliehen zu werden. Sie werden im Verein ausgebildet, verstärken die erste Mannschaft, erhöhen ihren Marktwert und können dann gegebenenfalls für Millionen an die Konkurrenz verkauft werden. Der HSV ist gerade dabei, sich diese Perspektive aufzubauen. Für Spieler wie Arp, Ito oder Janjičić interessieren sich schon jetzt Vereine aus ganz Europa.

Das freut alle im Verein. Auch Klaus-Michael Kühne. So lassen sich zumindest seine jüngsten Äußerungen deuten. Nachdem er sich über die mögliche Zusammensetzung des neuen Aufsichtsrats ereifert hatte, formulierte er noch einen Wunsch an die Funktionäre des HSV: Sie sollten sich handlungs- und entscheidungsfreudig zeigen, was die Vertragssituation von Jann-Fiete Arp angehe.

Bis zum Sommer 2019 ist der Stürmer noch an den HSV gebunden. Dann kann er ablösefrei zu allen Vereinen der Welt wechseln.

Ob der 80-jährige Mäzen allerdings schon einmal darüber nachgedacht hat, warum das 17-jährige Talent noch nicht vorzeitig verlängert hat? Möglicherweise hat das Zögern ja etwas damit zu tun, dass ein paar ältere Herren gerade wieder dabei sind, seinen Verein zu spalten und zu zerstören. Aber das ist natürlich reine Spekulation.