Drei Jahre ist es her, dass binnen weniger Monate ganz Deutschland ihre Namen kennenlernte, jetzt sind diese Leute drauf und dran, aus dem Gedächtnis der Republik zu verschwinden. Ihre Geschichte ist daher auch eine darüber, wie die Revolution Revolutionäre überrollt. Da sind neben Tallacker der Unternehmensberater Bernd-Volker Lincke. Der Sicherheitsmann Achim Exner. Der Unternehmer Frank Ingo Friedemann. Und, natürlich, Kathrin Oertel. Sie alle haben nach Pegida den Verein "Direkte Demokratie für Europa" gegründet, der wenig Zulauf hatte.

Tallacker und Friedemann sind mittlerweile in der AfD. Tallacker war sogar noch bis Januar 2017 in der CDU. Die hatte auch mal ein Parteiausschlussverfahren angestrebt, das war aber nicht erfolgreich. Tallacker wechselte dann freiwillig.

Frank Ingo Friedemann ist derjenige aus dem Gründerkreis, der Pegida als Erster verlassen hat. Er war wegen seines frühzeitigen AfD-Eintritts zur Zielscheibe verbaler Attacken Bachmanns geworden. Dabei mag heute auch Bachmann die AfD.

Achim Exner war schon zu Anfangszeiten nicht nur Pegida-, sondern auch AfD-Mann, Letzteres ist er weiterhin. Bis 2006 war er Sicherheitschef des Fußballclubs Dynamo Dresden, was er heute tut, dazu will er sich ebenfalls nicht äußern. Exner, Friedemann, Tallacker, Oertel – sie gehen nicht mehr zu den Demos. Wer sich durch ihre Profile scrollt, merkt aber, dass sie in ihrer Radikalität Bachmann und Co. weiterhin kaum nachstehen. Friedemann verbreitet die Falschmeldung, dass es an Halloween in Essen einen "Sex-Dschihad" gegeben hätte, bei dem 200 Flüchtlinge eine Party gestürmt hätten. Exner spricht von "Gesindel, welches hier hergeholt wird", aber setzt in Klammern dahinter: "(wirklich Asylsuchende mal ausgenommen!)". Tallacker schreibt vom "GeburtenDschihad". Von keinem hat man je gehört, dass er die Gründung Pegidas heute bereue. Nur wurde der Verein ihnen eben aus der Hand genommen, von Bachmann.

Und was wurde aus der ersten Pegida-Organisatorin, die es zu Anne Will schaffte – Kathrin Oertel? Auch sie ist von der Bildfläche verschwunden, einmal saß sie nach ihrem Ausstieg noch bei Maybrit Illner – ein Auftritt, von dem vor allem wirre Aussagen Oertels in Erinnerung geblieben sind. Wer sich durch Oertels Facebook-Einträge aus dem letzten Jahr wühlt, kann sagen: Sie ist heute eine Verschwörungstheoretikerin par excellence. Deutschland hält sie noch für besetzt, das "US Schweineimperium" zerstöre die Welt, und für die Alliierten stand während des Zweiten Weltkrieges die "gezielte Vernichtung der deutschen Zivilbevölkerung im Vordergrund". Viele Posts beinhalten einen Aufruf zum "Kampf". Sie schreibt: "Unsere Zeit wird kommen", es brauche eine andere Herrschaftsform. Welche genau sie erstrebt, weiß man nicht, da auch sie nicht auf Anfragen reagiert. Wer sich zu lange auf Oertels Profil aufhält, vermisst am Ende sogar Bachmanns Hundebabys.

Bachmann und Oertel unterscheiden sich in ihrem Blick auf die AfD. Bachmann hat der AfD Pegida als Plattform angeboten. Oertel wirft auch dieser Partei Doppelmoral vor. Vor der Bundestagswahl schrieb sie, es werde sich "maximal die Farbe des Zauns ändern, in dem unser Volk gefangen ist". Ja, einiges ändert sich eben nicht.