Die Gespräche eines Anwalts mit seinen Mandanten dürfen nicht abgehört werden. Allerdings ist den Kölner Ermittlern nicht bekannt, dass Kubicki Berger anwaltlich vertritt. Es gibt nämlich mehrere Verfahren gegen Berger. Kubickis Mandat gilt für das der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Als er die Ermittler darauf hinweist, werden die Protokolle im Juli 2016 gelöscht.

Merkwürdig bleibt Kubickis Hinweis auf seine Tätigkeit als Abgeordneter. Die Staatsanwaltschaft Köln erwidert deshalb auch trocken, sie habe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Inhalt des geführten Gesprächs im Zusammenhang mit seiner Abgeordnetentätigkeit stehe. Warum also erwähnt Kubicki sein politisches Mandat überhaupt? Offenbar sind seine Rollen als Anwalt und Politiker auch für ihn selbst nicht immer leicht zu trennen.

Obwohl die Protokolle gelöscht wurden, existiert ein Vermerk, der einen Hinweis auf das gibt, was Berger und Kubicki besprochen haben könnten. In einem Gespräch, das Bergers Frau im November 2014 mit ihrer Tochter führt, berichtet sie, Kubicki habe Berger für eine Sendung bei Günther Jauch "empfohlen". Sowohl Bergers Frau als auch die Tochter sind allerdings gegen einen solchen Auftritt. Der Grund: Sie fürchten, dass Berger, der sich schon 2012 aus Angst vor der deutschen Justiz in die Schweiz abgesetzt hat, anschließend festgenommen werden könnte.

Kubicki hat sich auf Anfrage zu dem Vorgang nicht geäußert. Deshalb bleiben viele Fragen offen. Ist Kubicki nicht nur Bergers Anwalt, sondern auch eine Art PR-Berater für ihn? Dann würden sich Kubickis Rollen erneut vermischen. Schließlich trägt seine Prominenz als Politiker dazu bei, dass er mit seinen Einlassungen zur angeblichen "Gesinnungsjustiz" in den Medien Gehör findet. Eine Rhetorik, die nahe an der seines Mandanten liegt. Berger spricht in abgehörten Telefonaten von einem "Vernichtungsfeldzug" gegen ihn. Einen Auftritt bei Jauch, in dem Berger die verfolgte Unschuld hätte geben können, hätte ein unbekannter Anwalt wohl kaum einfädeln können, ein Talkshow-Politiker wie Kubicki schon eher.

Zur angeblichen Gesinnungsjustiz, die der mögliche künftige Finanzminister Kubicki im Fall Berger beklagt, hat sich auch das Bundesverfassungsgericht geäußert. Dass bei Berger wegen des Verdachts der "besonders schweren mittäterschaftlichen Steuerhinterziehung" Büro und Wohnung durchsucht wurden, sei "verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden", so die Karlsruher Richter im März. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen Hanno Berger erhoben.

Man mag die Doppelrolle Kubickis moralisch bedenklich finden. Sollte Kubicki Finanzminister werden, könnte seine Einschätzung der Cum-Ex-Deals aber auch praktische Konsequenzen haben und den Steuerzahler eine Menge Geld kosten. Bislang ist man im Finanzministerium nämlich sehr wohl der Meinung, dass die Cum-Ex-Geschäfte illegal waren – der Leiter der Steuerabteilung, Michael Sell, spricht gar von "organisierter Kriminalität".

Der Staat versucht, so viel Geld wie möglich für den Steuerzahler zurückzuholen. Wenn man aber wie Kubicki der Meinung ist, die Beteiligten hätten mit den Cum-Ex-Deals bloß völlig legal eine Gesetzeslücke ausgenutzt, auf welcher Grundlage will man dann Geld zurückfordern?