Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Mit freudigem Erstaunen las man vergangene Woche die Nachricht: "Ex-Politiker machen sich für Verwaltungsreform stark." Das Entzücken ist auch einer versteckten Pointe geschuldet, die diesem Sätzchen innewohnt. Ebenso könnte man lesen, dass ehemalige Mitglieder der österreichischen Fußballnationalmannschaft erklären, wie sie Weltmeister hätten werden können. Hier wie dort stellt sich die Frage, warum sie es in ihrer aktiven Zeit nicht geschafft haben, ihre Ziele zu erreichen. Nun sind es durchaus vernünftige Vorschläge, welche die früheren Mandatsträger vorbringen. Etwa raten sie, den Bundesrat abzuschaffen. Der ist ja eigentlich nur ein verfassungsmäßig abgesichertes Frühpensionsmodell, bei dem allerdings die vollen Bezüge überwiesen werden. In der zweiten Kammer des Parlaments werden – so überhaupt etwas geschieht – lediglich Gesetze aufgeschoben, die der Nationalrat zuvor beschlossen hat. Insofern versinnbildlicht der Bundesrat die großen Projekte der Republik. Dieser prinzipiell richtige Gedanke der Ex-Politiker wird allerdings abgeschwächt durch den zusätzlichen Vorschlag, gleichzeitig den Nationalrat auf 199 Sitze aufzustocken. Dieses Land verfügt, wenn man Landtage, Nationalrat und Bundesrat zusammenzählt, insgesamt über rund 600 Volksvertreter. Von den Mandataren in den Gemeinderäten ganz zu schweigen. Wer genügend Ausdauer und den nötigen grenzwertigen Humor mitbringt, kann Zeuge jener Rhetorikkunst werden, die in diesen Gremien zum Standard zählt. Nun hat vermutlich jedes Volk die Vertretung, die es verdient. Aber muss sie gleich so zahlreich sein? Der Sinn einer breitgefächerten politischen Struktur lag in Österreich immer darin, möglichst viele Menschen mit sinnlosen Mehrfachzuständigkeiten zu versorgen. Es wird nicht verwaltet, sondern zerwaltet und jede Einsparung mit aller Gewalt verhindert. Ließe man nämlich Vernunft walten, würde sich die Zunft ins eigene Fleisch schneiden. Das wissen auch die derzeitigen zuständigen Sachwalter im Parlament. Doch sollten sie einmal aus der Politik ausgeschieden sein, werden auch sie sicher wissen, wie es gegangen wäre.