Fee, 9 Jahre, das Mittelkind (hat einen älteren und einen jüngeren Bruder):

"Das Kind in der Mitte zu sein ist super. Ich kann nämlich zu den Kleinen und zu den Großen gehören, je nachdem, was gerade besser ist. Wenn es Streit gibt, bin ich die Kleine und halte mich raus. Geht es jedoch darum, wer in der Kletterhalle den schwierigeren Parcogurs nehmen oder abends noch einen Film gucken darf, bin ich lieber die Große. Und ich finde es auch gut, dass ich nicht die Letzte in der Familie bin, die ein Handy kriegt, und die Erste, die ins Bett muss.

Ich glaube, dass ich viele Sachen durch meine Brüder Tino und Theo besser lerne, zum Beispiel zu teilen oder mich zu einigen. Und zu dritt sind wir echt ein gutes Team. Wir machen Dinge zusammen, die einer allein nicht könnte: einkaufen gehen oder Mami und Papi bequatschen, dass wir länger draußen bleiben dürfen. Außerdem finde ich es schön, dass meine Brüder mich mein ganzes Leben lang begleiten werden. Wenn unsere Eltern mal sterben, haben wir immer noch uns. Ich mag, dass meine Brüder irgendwie immer da sind – anders als Freunde. Besonders schön finde ich, wenn wir drei uns aufs Bett kuscheln und Mami uns vorliest.

Ab und zu ist es für mich als Mädchen allerdings anstrengend, zwei Brüder zu haben. Theo nervt mit seiner lauten Musik, und Tino kann echt peinlich sein, wenn ich Besuch habe. Deswegen halte ich manchmal meine Zimmertür von innen zu. Verbünden sich meine Brüder gegen mich, wird es richtig blöd, manchmal ziehen sie mich stundenlang auf. Wenn es mir zu viel wird, frage ich meine Mutter, ob wir einen Goldtöchterchen-Tag machen. Zwei- oder dreimal im Jahr unternehmen Mami und ich nämlich etwas alleine, und dann reden wir über Mädchensachen, die meine Brüder eh nicht verstehen."

Wolf, 10 Jahre, Großfamilie (hat zwei Brüder und drei Schwestern):

"Ich habe fünf Geschwister, zwei ältere Brüder, eine ältere und zwei jüngere Schwestern. Und das ist echt nervig! Ich habe eigentlich nie meine Ruhe und werde fast immer geärgert. Mein größter Bruder, Noah, hat mich früher mal kopfüber in ein richtig dreckiges Planschbecken getunkt. Das war fies. Noah ist so stark, dass ich nicht gegen ihn ankomme. Inzwischen ist er 18 Jahre und hat Besseres zu tun, als mich zu ärgern. Diesen Job hat nun mein zweitgrößter Bruder Matti übernommen.

Ich wünschte, ich wäre der Älteste oder hätte zumindest einen jüngeren Bruder, an dem ich mich rächen kann. Aber da sind nur die zwei kleinen Mädchen. Verhauen kann ich die nicht, höchstens ärgern. Ich verstecke gerne ihre Ballettsachen oder halte etwas so hoch in die Luft, dass sie nicht drankommen. Die Kleinen hören sogar manchmal auf mich. Da kann ich auch mal Chef sein und bestimmen.

Ab und zu wünsche ich mir, ein Einzelkind zu sein. Dann müsste ich nicht auf meine Vorne-sitz-Woche im Auto warten, sondern könnte jeden Tag auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Aber vermutlich würde ich meine Geschwister nach ein oder zwei Tagen schon vermissen. Es wäre nämlich auch ganz schön langweilig so allein.

Wir sind so viele, dass man immer jemanden zum Spielen hat. Außerdem haben meine älteren Geschwister coole Sachen: Coca-Cola, Süßigkeiten und eine Konsole. Die teilen sie manchmal mit mir. Superpraktisch ist, dass wir zu sechst sehr stark sind. Einmal habe ich im Freizeitpark ein Gokart gerammt. Der Junge, der da drin saß, hat mich total angemeckert – bis meine Geschwister einer nach dem anderen dazukamen. Da hat der Typ Muffe gekriegt und ist schnell abgehauen."

Mark, 12 Jahre, Einzelkind (hat keine Geschwister):

"Ich bin in Bulgarien geboren, dort hab ich nie besonders viel darüber nachgedacht, dass ich keine Geschwister habe. Die meisten meiner Freunde waren auch Einzelkinder. Als ich vor vier Jahren nach Deutschland kam und nur ein paar Wörter Deutsch konnte, hab ich mir sehr gewünscht, einen Bruder oder eine Schwester zu haben. Ich glaube, ich hätte mich sicherer und weniger allein gefühlt. Am liebsten hätte ich einen älteren Bruder. Mit dem könnte ich kickern, Basketball spielen, ins Kino gehen, Comics sammeln und mir coole Sachen von ihm leihen. Mit einer Schwester würde ich mich, glaub ich, viel streiten: Sie würde sich für Justin Bieber und Schminke interessieren, ich für Mangas und One Piece.

In meiner neuen Schule bin ich als Einzelkind eine echte Ausnahme. Fast alle meine Freunde haben Geschwister, und oft erzählen sie von denen. Dann fühlt es sich doof an, der Einzige zu sein, der nicht mitreden kann. Andererseits bin ich auch ganz froh, Einzelkind zu sein. Ich könnte ja nur noch jüngere Geschwister bekommen – und die sind oft ziemlich anstrengend und wild. Das sagen meine Freunde jedenfalls oft. Ich müsste wahrscheinlich ständig aufpassen, dass sie meine Lego-Sachen nicht kaputt machen oder den Controller meiner neuen Playstation schrotten.

Als Einzelkind werde ich auch nicht ständig ermahnt, etwas zu teilen. Und natürlich genieße ich es, dass ich meine Eltern immer für mich allein hab. Obwohl Mama manchmal etwas zu gut darauf aufpasst, dass ich meine Hausaufgaben ordentlich mache."