So, jetzt freuen wir uns einfach mal: Die deutschen Schüler sind im internationalen Vergleich richtig gut in der Disziplin "Problemlösen im Team". Das zeigt eine am Dienstag vorgelegte Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Die Untersuchung ist Teil der Pisa-Studie (Programme for International Student Assessment), mit der alle drei Jahre die Leistungen der 15-Jährigen weltweit verglichen werden.

Bei Pisa werden die Schülerleistungen in Mathematik, in den Naturwissenschaften und im Lesen getestet. Diesmal – die Daten wurden im Jahr 2015 erhoben – sollte der Nachwuchs nun zeigen, wie gut er Probleme lösen kann. Was verbirgt sich dahinter? Die Wissenschaftler mögen die Unschärfe verzeihen, aber grob gesagt ging es um eine Mischung aus angewandter Mathematik, ein wenig Lesekompetenz und der Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen. Eine Beispielaufgabe mag das illustrieren: Zwei Schüler haben sich an einem Park verabredet, landen dort aber an verschiedenen Eingängen. Nun sollen sie sich mithilfe einer Karte per Handy so verständigen, dass sie auf dem kürzesten Weg zueinanderfinden.

Derartige Aufgaben können die deutschen Schüler weit besser bewältigen als der durchschnittliche OECD-Schüler. Deutschland steht im Ranking der 32 OECD-Staaten auf dem siebten bis zehnten Platz (genauer lässt sich das nicht messen). Davor liegen Japan, Korea, Kanada, Finnland, Estland und Neuseeland; etwa auf gleicher Höhe Australien, Dänemark, die Niederlande, Großbritannien und die USA.

Die deutschen Schüler schneiden damit in dieser Disziplin sogar besser ab als beim Lesen, der Mathematik und den Naturwissenschaften, wo sie auch überdurchschnittliche Leistungen zeigten. Wie auch in diesen Bereichen ist jedoch die Lücke zwischen den besten und den schwächsten Schülern beim Problemlösen im Team in Deutschland überdurchschnittlich groß. Der Vorsprung der Mädchen vor den Jungen ist ebenfalls deutlich, entspricht aber dem internationalen Trend.

Bemerkenswert ist, dass hierzulande Jugendliche mit Migrationshintergrund und Schüler von Schulen mit vielen Förderschülern in der Teamarbeit besser abschneiden. Neunzig Prozent der deutschen Schüler geben an, sehr gern mit ihren Mitschülern zusammenzuarbeiten, nur zwei Drittel meinen aber, dass sie so effizienter arbeiten.

Für einen Außenstehenden ist es nicht leicht nachzuvollziehen, inwiefern bei dem Test die Fähigkeit zum Problemlösen von der Fähigkeit zur Teamarbeit zu trennen ist. Skepsis ist auch angebracht, weil die Tests nicht in echten Gruppenarbeitssituationen, sondern computerbasiert durchgeführt wurden. Das Gegenüber der getesteten Schüler war also ein Rechner. Die Pisa-Experten der OECD versichern aber, dass Kontrolltests gezeigt hätten, dass das Programm eine echte Gruppenarbeitssituation gut simuliere.