Es kommt vor, dass ein Buch unbedingt lesenswert ist, das aus guten Gründen die Zukunft radikal schwarz sieht. Auch kommt es vor, dass zufällig gleichzeitig ein anderes Buch erscheint, das dieser Haltung klar widerspricht und ebenso unbedingt zu empfehlen ist, weil es gute Gründe für Optimismus benennt. Beide Bücher erscheinen nun, während Zeitdruck und Stillstand mit Wucht aufeinanderprallen, weil in Berlin vorgeführt wird, wie hart es ist, eine handlungsfähige Regierung aus Kompromissen zu bilden, während in Bonn die Weltklimakonferenz immerfort auf die Uhr zeigt: Schneller, jetzt, subito!

Von beiden Büchern soll hier die Rede sein: Das eine umfasst das letzte Gespräch mit dem 90-jährigen Zygmunt Bauman vor dessen Tod, es lässt das ganze polnisch-britisch-jüdische Gelehrtenleben dieses politisch denkenden Sozialwissenschaftlers in Frage und Antwort Revue passieren, unter dem Titel Das Vertraute unvertraut machen. Das andere Buch enthält die aktuelle Diagnose und politische Impulse des Club of Rome zum ökologisch-politischen Zustand der Welt, es wurde in jahrelanger Arbeit aufgesetzt von einem 36-köpfigen internationalen Expertengremium, erscheint zum 50. Geburtstag dieses Rates der Weisen, wurde namentlich verfasst von dem Biologen Ernst Ulrich von Weizsäcker und dem schwedischen Europapolitiker Anders Wijkman. Es heißt: Wir sind dran.

Die beiden Bücher begegnen sich in der Skepsis, ob die selbstkritisch aufgeklärte Moderne der westlichen Gesellschaften die desaströse Welt besser machen kann. Oder wenigstens schlimmere Verheerungen verhindern.

Nein, sagt Zygmunt Bauman, da ist nichts zu verbessern, "wir sind am Ende der Straße angekommen". Die Straße, die endet, das ist für Bauman der Kampf darum, dass die Politik nicht die Macht über die Märkte verliert, dass der Kapitalismus nicht lauter "Menschenmüll" produziert, Überflüssige, die keine Gesellschaft mehr braucht. Jeder könne nur noch versuchen, einen erträglichen Platz innerhalb dieser Welt zu finden, die dem Untergang geweiht sei. Jeder könne nur hoffen, nicht er selbst werde im Wettrennen um ein Auskommen überflüssig, sondern es treffe einen anderen. Auf Baumans Frage, "wie man Worte in Taten verwandelt", damit die Welt wieder frisch und neu werde, spürbar anders, wie es die Bibel verspricht, habe er selbst, sagt er, bis in sein hohes Alter, bis an die Schwelle des Todes keine Antwort gefunden. Die Welt, die der Soziologe verbessern wollte, war die der Menschen.

Die Welt, die der Club of Rome verbessern möchte, ist eine, in der es den Menschen gerade noch leidlich ergeht, während der Rest der Kreaturen verschwindet. Die Signaturen dieser überbevölkerten Welt heißen Bodenerosion, Artensterben, Überfischung, Dürre, Klimawandel. Die Befürchtung der Autoren erwächst daraus, dass die Menschheit nicht versteht, was es heißt, in einer "vollen Welt" zu leben, in der lebensnotwendige Ökosysteme wie Regenwälder, Böden, Meere und Korallenriffe am Kipppunkt sind.

Eine "neue Aufklärung", die nicht länger europazentriert ist, möchte der Club of Rome deshalb entfachen: Seit 50 Jahren verfeinern sich die Studien und Argumente zu den ökologischen Notlagen, während sich die Tatsachen hochbeschleunigt verschlechtern. Dies ist nicht allein der Menschenzahl anzulasten, die sich seither verfünffacht hat. Denn der fossile Brennstoffverbrauch nahm in dieser Zeit 16-fach zu, der Fischfang 35-fach, der Wasserverbrauch 9-fach, die Wirtschaftsleistung gar 40-fach. Man könnte es auch so sagen: 50 Jahre ökologiepolitische Arbeit scheinen gescheitert zu sein.

Der Bericht fächert auf, was politisch geht

Nein, sagt dennoch Weizsäcker, bessere Alternativen zum ruinösen Kapitalismus stehen zur Verfügung und werden in Metropolen wie in abgelegenen Dörfern längst erfolgreich erprobt. Auch wenn manche Alternative es schwer hat, demokratische Zustimmung zu finden, und andere Wege kurzfristig nicht rentabel sind.

Also kämpft dieses Buch auch um demokratische Zustimmung. Mag der Name Weizsäcker – wie der Zygmunt Baumans – die klassische Autorität des einzelnen Gelehrten repräsentieren, die Analyse des Club of Rome verdankt sich doch einem historisch relativ jungen Typus des Intellektuellen, einem Hybridwesen aus universitärer Exzellenz, institutioneller Forschung, weltweitem NGO-Wissen, Politikberatung und ungebundener geistiger Arbeit. Oft tun sich solche Leute für ihre Studien arbeitsteilig in Gruppen zusammen. Sie sind ziemlich genau das Gegenteil einer Sekten- oder Blasenveranstaltung. Was der Club of Rome in diesem Buch vielmehr präsentiert, ist der Standard dessen, was man heute wissen und tun kann. Wenn man will.

Der Bericht fächert breit auf, was bereits weltweit politisch geht: Er nennt Instrumente, über die ein einzelner Staat entscheiden kann, etwa CO₂-Steuern einzutreiben (wie Norwegen sie auf Verbrennungsmotoren erhebt), Energienormen festzulegen (wie China es durch den Passivhaus-Standard nach deutschem Muster tut), Kreislaufwirtschaftsunternehmen zu fördern (wie Finnland es zeigt) oder Rahmengesetze zur Förderung dezentraler erneuerbarer Energien zu schaffen (wie Deutschland es vorgemacht hat). Der Gedanke dezentraler Wertschöpfung wirkt sich auf städtischer Ebene aus: Mehr als 1000 Kommunen weltweit haben sich verpflichtet, auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen. Und er wirkt ökonomisch: Die Finanzmärkte sehen Kohlekraftwerke heute als verlorene Investitionen.