Seit Langem tobte der Machtkampf um die Nachfolge Robert Mugabes. Des Mannes, der Rhodesien, wie das Land früher hieß, von der Herrschaft der Briten befreite. Lange wurde er als einer der progressivsten Führer Afrikas gefeiert, bis er Simbabwe, einst die Kornkammer Afrikas, schließlich völlig herunterwirtschaftete. Angesichts von Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit hätte seine Zeit längst vorbei sein müssen – und doch schaffte es Mugabe, sich an die Macht zu klammern, indem er die Opposition gewaltsam unterdrückte, Wahlen fälschen ließ und seine parteiinternen Gegner gegeneinander ausspielte.

Sein Weggefährte Emmerson Mnangagwa, 75, hatte sich lange schon Hoffnungen auf die Nachfolge gemacht. Er war aus demselben Holz: Mit 16 hatte er sich dem Befreiungskampf angeschlossen, Gefängnis und Folter überstanden, Mugabe als Bodyguard und Assistent gedient. Später bekleidete er zahlreiche Regierungsposten, dabei soll er auch für die Ermordung Tausender Oppositioneller mitverantwortlich gewesen sein. Er erhielt eine militärische Ausbildung in China und Ägypten, organisierte die Geschäftsaktivitäten seiner Partei. Parteifreunde beschreiben ihn als grausam. Sein Spitzname ist Krokodil, weil es das Totemtier seines Stammes ist, aber auch weil er genau weiß, wann er zuschlagen muss. Seine Verbündeten sind die Kriegsveteranen und das Militär.

Diese verfolgten mit Abscheu, wie Mugabes Frau Grace, 52 – aufgrund ihrer ausgiebigen Shopping-Orgien auch "Gucci-Grace" genannt – Mnangagwa seinen Posten streitig machen wollte. Unterstützt wurde sie dabei von einer Gruppe jüngerer Funktionäre, den sogenannten G 40, und der Polizei. Als Robert Mugabe am 6. November Mnangagwa als Vizepräsidenten feuerte, um ihn durch seine Frau zu ersetzen, beschlossen das Krokodil und seine Verbündeten – Team Lacoste genannt – zurückzuschlagen.

Hatte sich der Militärchef in China das Plazet geholt, Mugabe abzusetzen?

Es war von Anfang an das Eigentümliche dieses Putsches, dass er nicht wie einer aussehen soll. Das Team Lacoste wollte die internationale Gemeinschaft nicht vergraulen. Der Sprecher der Kriegsveteranen sprach von einer "exquisiten Militärintervention". Ganz offensichtlich war sie von langer Hand vorbereitet. Simbabwischen Geheimdienstquellen zufolge hat das Krokodil bereits seit einem Jahr mit der Idee geliebäugelt. Als der Militärchef des Landes Anfang November auf Besuch bei der Schutzmacht China weilte, soll er dort erfahren haben, dass Mugabe ihn nach seiner Rückkehr festnehmen lassen wollte. Er beschloss, ihm zuvorzukommen. Der Pekingbesuch gab Anlass zu Spekulationen: Hatte sich der Militärchef dort etwa das Plazet der chinesischen Regierung eingeholt?

Weil die Putschisten nicht als solche erscheinen wollten, drängten sie Mugabe zum Rücktritt. Der aber weigerte sich beinahe eine Woche lang, ihnen diesen Gefallen zu tun.

Am Sonntag vergangener Woche drückte sich Prince Nzou durch die Menschenmenge, die sich zum Sonderparteitag eingefunden hat. Es ist eine Veranstaltung, die an eine Sitzung der KP Chinas erinnert, ein Funktionär sagt, dass es im Grunde gar nicht so wichtig sei, was das Parlament bestimme. "Die wahren Entscheidungen werden hier getroffen." Immerhin aber gibt es hier mehr simbabwische Lebensfreude. Die Delegierten singen und tanzen, als die Entscheidungen verkündet werden: Grace Mugabe und ihre Verbündeten werden von der Partei ausgeschlossen, Mugabe als Parteichef abgesetzt, Mnangagwa wird zu seinem vorläufigen Nachfolger erklärt. Die Partei stellt Mugabe vor ein Ultimatum, das Mnanagagwa, der noch immer im Ausland weilt, in den Tagen danach schriftlich bekräftigen wird: entweder er trete zurück. Oder aber es drohe ihm die Schande eines Amtsenthebungsverfahren.

Die Soldaten, gestern noch Steigbügelhalter der Diktatur, werden als Helden gefeiert

"Die selben Leute, die noch vor ein paar Tagen gegen Mnangagwa und für Grace gestimmt haben, tanzen jetzt für ihn und gegen sie", sagt Nzou leise. Er betrachtet die mit einem Lacoste-Krokodil bedruckten T Shirts und Kappen, die die jubelnden Anhänger des Teams Lacoste tragen. "Das haben sie selbst gemacht. Und ohne den Auftrag der Partei. Das entspricht nicht den Designvorschriften", murmelt Nzou schlecht gelaunt. "Dieser Individualismus ist spaltend." Was er nicht sagt, ist, dass der unbekannte Designer, der dies entwarf, vielleicht bald seinen Job machen könnte. Was wird nun aus einem wie ihm?

In all den Jahren, sagt Nzou, sei Mugabe so etwas wie eine Vaterfigur für ihn geworden, auch wenn er ihn nie persönlich kennengelernt habe. "Wenn du so lange damit zugebracht hast, einen Mann aufzubauen, dann wirst du ihn nicht einfach los." Egal, ob ein Mensch gut oder schlecht gewesen sei, sagt Nzou, "irgendwann gibt es einen Moment, da vermisst du ihn einfach".