Es funkelt und glitzert, blinkt und strahlt. Alles fürs Geschäft. In einem Haus im schmucklosen Gewerbegebiet von Innsbruck ist 365 Tage im Jahr Weihnachten. Hier, am Firmensitz von MK Illumination, dreht sich alles darum, die stille Zeit des Jahres ins richtige Licht zu setzen – und zwar weltweit. Klaus Mark hat sein Unternehmen zum Weltmarktführer in Sachen Weihnachtsbeleuchtung gemacht. Die Kunden des 47-Jährigen sind Kommunen, Firmen, Freizeitparks und Einkaufszentren. Vom größten Luster Europas am Zürcher Hauptbahnhof über den Lichtschmuck am Schloss Schönbrunn oder im Rockefeller Center in New York bis zu dem 27 Kilometer langen Lichterkino im italienischen Salerno: Wer eine gigantische Lichtanlage im Weihnachtsdesign möchte, der bestellt sie meist bei dem Tiroler Familienbetrieb, dessen Chef weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung hat.

Rund 1.400 Lichtinstallationen hat das Unternehmen im vergangenen Jahr selbst montiert, Zigtausende weitere ausgeliefert und muss dabei auf verschiedene regionale Vorlieben eingehen. "In Skandinavien wollen sie warmes Licht und bunte Farben, im Süden dominiert wiederum kaltweißer Schein", sagt Mark im harten Tiroler Dialekt. Er lehnt, leger gekleidet mit Jeans und weißem Hemd, an der Bar im Eingangsbereich seiner Firma. Sein spitzbübisches Lächeln entschärft sein markantes Kinn.

Gesundheitsschuhe und X-mas-Kitsch

Als junger Mann hielt Mark seine Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser, war mal Kellner, mal Versicherungsmakler. Dann gründete er sein erstes Unternehmen, verkaufte Gesundheitsschuhe und installierte Weihnachtsbeleuchtungen. Er zog durch alpine Tourismusorte, putzte Christbäume in Hotellobbys heraus, dekorierte Giebeldächer in den Wintersport-Hochburgen und ärgerte sich maßlos über "billigen Lichterkettenramsch made in USA". Wenn es während der Arbeit regnete oder schneite, "stand wegen fehlerhafter Kontakte der ganze Baum unter Strom", erzählt er. Doch die gefährlichen Stromschläge waren nicht der Grund, warum Mark seinen abenteuerlichen Mix aus orthopädischen Tretern und X-mas-Kitsch wieder aufgab. Das Geschäft lief nicht, der Gemischtwarenladen scheiterte.

1996 gründete Mark mit seiner Frau Marie und seinem Zwillingsbruder Thomas die MK Illumination und mietete sich in einer Garage in der Nähe von Innsbruck ein. Genervt von den Stromschlägen und inspiriert vom Stecksystem bei Gartenschläuchen, entwickelte er eigene Lichterketten und Leuchtelemente, die einfach und sicher kombiniert werden können. Er nannte sie QuickFix. Als um die Jahrtausendwende Leuchtdioden ihren Siegeszug antraten und den Markt für Beleuchtungssysteme auf den Kopf stellten, begannen die Geschäfte zu laufen – vor allem dank der hauseigenen Entwicklungsabteilung.

Heute ist Klaus Mark ein erfolgreicher internationaler Unternehmer – und das dürfte vor allem seine ehemaligen Lehrer überraschen.

In der Schulzeit fielen die Mark-Zwillinge nämlich vor allem durch Aufmüpfigkeit und Lernunwilligkeit auf. Als Tiroler Version des doppelten Lottchens hatten sie Spaß daran, ständig verwechselt zu werden. Das tun sie noch heute und spielen bisweilen sogar gegenüber Kunden damit.

"Wir waren die Rebellen in der Schule."
Klaus Mark

Im katholischen Internat erschloss sich dieser Humor nicht jedem. Das Duo eckte permanent an. "Wir waren die Rebellen in der Schule", sagt Mark. Nach vier Jahren wechselte er an die Handelsakademie. "Aber ich hab mir mit Lernen immer sehr schwer getan", erzählt er. Immer wieder musste er Klassen wiederholen, bis er an die Abendschule wechselte. Dort setzte sich sein schulisches Dilemma fort. Bei der Matura schwindelte er, die Prüfung wurde nicht beurteilt. Danach trat er nicht wieder an.

Abseits der Schule war er zielstrebiger. Als er 18 Jahre alt war, lernte er auf dem Campingplatz seiner Eltern, den sie neben der Landwirtschaft betrieben, eine Schwedin kennen – seine künftige Frau Marie. Schulversager Mark war damals gerade beim Tourismusverband seiner Heimatgemeinde Weer untergekommen.

Der Tourismus brachte ihn früh mit Gästen aus aller Welt in Kontakt. Das habe seinen Entdeckergeist geweckt, sagt er. Noch im Teenageralter heiratete er seine Marie und wanderte mit ihr nach Schweden aus. Dort kamen ihre beiden Kinder, Markus und Maja, zur Welt, und Mark jobbte wieder als Kellner. "Ich hab damals kein Wort Schwedisch gesprochen oder verstanden", erzählt er. Doch schon bald zog es die junge Familie zurück nach Tirol.

Produziert wird nicht in Europa

Heute beschäftigt das Unternehmen rund 450 Mitarbeiter in 33 Ländern, macht 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr, und es wächst so rasant, dass das jüngste Imagevideo, das Mark jedem Besucher vorführt, bereits überholt ist: "Wir produzieren nicht mehr nur in Europa, wie das im Film gesagt wird." MK Illumination produziert sein Glitzerwerk in der Slowakei, in Rumänien, in der Türkei, in China, auf den Philippinen und in Mexiko. "Wir wollen damit näher zum Kunden", erklärt Mark die Expansionsstrategie.