Bis vor Kurzem habe ich mich für einen vorbildlichen Vermieter gehalten. Doch dann bekam ich es mit der Staatsmacht zu tun. Jetzt kann ich nicht mehr. Jetzt will ich nicht mehr.

Vor 23 Jahren kaufte ich ein Haus in der Kölner Innenstadt. Es ist ein schmales Haus aus dem 19. Jahrhundert, das größte Zimmer ist nur 3,20 Meter breit. Im Erdgeschoss hat es ein Ladenlokal, darüber liegen drei Wohngeschosse mit je zwei Zimmern, außerdem gibt es zwei Bäder und eine Küche. Alles in allem 45 Quadratmeter Gewerbefläche und 120 Quadratmeter Wohnraum. Mit dem Kauf wurde ich Vermieter. Im Erdgeschoss betrieb ein Obst- und Gemüsehändler sein Geschäft. Die erste Etage vermietete ich an meinen Bruder. In die zweite und dritte Etage zog ich mit meiner Lebensgefährtin ein.

Weil das Grundstück so schmal ist, hat mein Haus keinen Eingangsflur. Wer in die Wohnräume will, muss durch den Laden gehen. Dahinter gibt es eine Holztreppe nach oben. Ich ging also an Bananen und Mohrrüben vorbei in meine Wohnung. Dem Gemüsehändler machte das nichts aus, er hatte ohnehin ständig Leute in seinem Geschäft.

Trotzdem war er der erste Mieter, der mir schlaflose Nächte bereitete, denn eines Tages kündigte er. Die Supermärkte auf der Straße hatten frische Ware in ihr Sortiment genommen. Mit deren Preisen konnte er nicht konkurrieren. Ich schaltete Anzeigen, aber es fand sich kein Mieter. Das hing damit zusammen, dass sich die Stadt Köln anschickte, unter der Straße eine U-Bahn zu bauen. Der Tunnel wurde gebohrt, aber wegen der Haltestellen und eines Neubaus der Kanalisation wurde die Severinstraße über Jahre zu einer Großbaustelle. Das Projekt kostete viele Geschäftsleute die Existenz, und die Mieten brachen ein. In meinem Ladenlokal versuchte es eine Iranerin mit einer Second-Hand-Boutique. Obwohl sie nur halb so viel Miete wie der Gemüsehändler zahlte, musste sie schon bald zumachen.

Inzwischen wohnte ich nicht mehr in dem Haus, es hatte mich beruflich nach Hamburg verschlagen. Bald darauf zog auch mein Bruder aus und damit der beste Mieter, den ich je hatte. Einer, der sich um alles, was zu regeln war, selbst kümmerte. Welchen Unterschied das macht, sollte ich bald erfahren.

Vermieter sein, das ist ein aufwendiger Nebenjob. Man muss Mieter suchen und die richtigen finden. Man muss Verträge machen, Belege sammeln, Nebenkosten abrechnen, eine Steuererklärung ausfüllen, Meldebescheinigungen ausstellen. Wenn man an eine Sozialhilfeempfängerin vermietet, wie ich es zeitweilig tat, sind es viele Bescheinigungen, die die Ämter verlangen.

Als privater Vermieter ist man zugleich der Hausmeister. Wenn der Wasserhahn tropft, der Durchlauferhitzer nicht mehr funktioniert oder die Heizung streikt, rufen die Mieter an. Ich musste dann Handwerker finden und dafür sorgen, dass ihnen jemand aufmacht. Handwerker sind immer teuer, denn sie wissen, dass private Vermieter meist keine Ahnung von den Preisen haben. Das ist einer von mehreren Gründen dafür, warum private Vermieter meist nur sehr kleine Renditen erzielen, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 2014 ergab. Mehr als die Hälfte kommt auf weniger als zwei Prozent oder schreibt sogar Verluste. Aufwand und Ärger nicht mitgerechnet.

An den Vermieter halten sich alle. Wenn die Landesregierung auf die Idee kommt, dass in jeder Wohnung Feuermelder installiert werden sollten, nimmt sie wie selbstverständlich die Eigentümer in die Pflicht. Sie müssen auch haften, wenn man ihnen ein Versäumnis anlasten kann. Deshalb braucht der Vermieter eine spezielle Haftpflichtversicherung. Von den Problemen, die der Energieausweis in der Praxis mit sich bringt, will ich gar nicht reden.