Die Konjunktur des Knausgårdismus hat sie ein wenig aus der Mode geraten lassen: die autobiografische Skizze, die kleine, an Splittern und Fragmenten orientierte Form des Erinnerns, die das Gedächtnis nicht auf Vollständigkeit trainiert, sondern eine Auswahl trifft und dazwischen viele Lücken lässt. Das Musterbeispiel dieser Poetik ist Walter Benjamins Berliner Kindheit um Neunzehnhundert.

Der Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer besitzt schon lange eine Zweitwohnung in einem ruhigen Berliner Außenbezirk, aber sein Hauptwohnsitz ist Basel. Dort, vielmehr in dem Dorf Riehen vor den Toren Basels nah der deutschen Grenze, ist er auch aufgewachsen. Und ebendarum geht es in seinem neuen Buch Die Jugend ist ein fremdes Land. Nach einer langen Reihe auch international erfolgreicher Romane wie Ein perfekter Kellner (2004), Zur falschen Zeit (2010), Aus den Fugen (2012) und zuletzt Postskriptum (2015) hat der 64-Jährige nun ein autobiografisches Prosamosaik verfasst, das man "Basler Kindheit um 1960" nennen könnte. Auf nicht mehr als 220 Seiten berichtet der Schriftsteller von Dingen, Menschen und Empfindungen, die sein Heranwachsen begleiteten.