Im September haben wir an der Birmingham City University Europas ersten Studiengang zum Thema Black Studies gestartet. Die afrikanische Diaspora war in den Jahrzehnten zuvor nur außerhalb von Universitäten erforscht worden. Der eurozentrische Lehrplan hat Studentenkampagnen wie Why is my Curriculum White? ("Warum ist mein Lehrplan weiß?") und Rhodes Must Fall ("Weg mit Rhodes") ausgelöst: Die Bewegung schwappte von Südafrika nach Oxford und zielte darauf, eine Statue des Kolonialisten Cecil Rhodes entfernen zu lassen.

Unser Studiengang Black Studies ist Teil eines allgemeinen Bestrebens, das Bildungswesen zu "entkolonialisieren" und vernachlässigtes Wissen an die Hochschulen Europas zu bringen.

Nicht nur das bisher produzierte Wissen ist weiß, auch die Dozenten sind es. In Großbritannien machen schwarze Hochschullehrer etwa ein Prozent der Vollbeschäftigten aus, sie stellen nicht einmal 100 der insgesamt 18.000 Professoren. Dass wir diesen Studiengang anbieten können, liegt vor allem daran, dass wir – anders als anderswo – schwarzes Lehrpersonal eingestellt haben. Kein anderer Fachbereich weist auch nur einen Bruchteil dieses Fachwissens auf, auf lange Sicht werden wir der einzige Ort sein, der glaubwürdig einen derartigen Studiengang anbieten kann. Ich habe gerade in Brüssel an einer Konferenz zum Thema Black Studies in Europa teilgenommen und kann nur sagen, dass die Probleme, die wir hier in Großbritannien haben, auf dem Kontinent noch viel größer sind.

Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass sich das britische Hochschulwesen mit Schwarzen befasst. Afrikanistik und Karibistik haben eine lange Tradition, aber leider dreht es sich in beiden darum, Schwarze als koloniale Objekte zu studieren. Bei Black Studies geht es hingegen um eine "Wissenschaft der Befreiung". Hätte es für derartige Fragen einen Platz im Universitätswesen gegeben, hätten wir diesen Studiengang nicht ins Leben rufen müssen.

Befreiung ist der Ausgangspunkt für Black Studies. Die Gründung des Fachs wurde Ende der 1960er Jahre auf amerikanischen Campussen erzwungen. Studierende, Lehrkörper und Bürgerinitiativen mussten demonstrieren und kämpfen, um den Wandel herbeizuführen. Erst nach einem fünfmonatigen Streik, der 1968 begonnen hatte, ließ das San Francisco State College das Fach Black Studies zu. Schwarze Studenten der Cornell University, die für einen Black-Studies-Studiengang demonstriert hatten, sahen sich genötigt, sich zu bewaffnen, nachdem ihnen Gewalt angedroht worden war. In Amerika hat das Fach Black Studies eine solide Grundlage, aber es wird immer noch verleumdet, ist unterfinanziert und ständig von Schließungen bedroht.