ZEIT: Nun waren Sie Industrieller, Bundesrat, und jetzt sind Sie Medienunternehmer ...

Blocher: ... wie gesagt: Das mache ich nebenbei.

ZEIT: Auch wenn es nur Ihr Hobby wäre, was war bisher der interessanteste Job?

Blocher: Industrieller.

ZEIT: Was fasziniert Sie an den Medien?

Blocher: Eigentlich nichts. Sicher sind sie keine Kapitalanlage (lacht)! Aber ich sah: Es gibt eine Machtkonzentration unter den Verlegern. In einer Demokratie darf es doch keine Monopolzeitungen geben, wir brauchen immer mindestens zwei.

ZEIT: Interessant: Ihre Gegner argumentieren ebenfalls mit der Sorge um die Medienvielfalt, wenn sie vor Blocher und seiner Medienmacht warnen.

Blocher: Sie wollen nicht Medienvielfalt, sondern keinen Blocher. Woher diese Angst vor diesen Gratis-Anzeigern?

ZEIT: Was haben Sie mit diesen Anzeigern vor?

Blocher: Herausgeben. Und wirtschaftlich führen. Verluste wären lebensfremd. Eine solche Zeitung müsste früher oder später verschwinden. Die BaZ schrieb vor der Übernahme zwölf Millionen Franken Verlust im Jahr. Heute schreibt sie schwarze Zahlen.

ZEIT: Sie sagten, Sie würden keine Zeitung kaufen, um damit Geld zu verdienen. Also geht es Ihnen um die Publizistik. Haben Sie Ihre Ziele mit der BaZ erreicht?

Blocher: Ich nehme keinen Einfluss auf den publizistischen Kurs. Aber die Zeitung ist mit Markus Somm als Chefredakteur eine gute Zeitung. Somm hat den Vorteil, dass er 20 Jahre lang beim Tages-Anzeiger die sozialistischen Irrwege durchgemacht und gemerkt hat: Das ist ein Seich.

ZEIT: Sind linke Konvertiten die besseren Rechten?

Blocher: Ja, vielleicht.

ZEIT: Konvertiten tendieren zum Extremismus.

Blocher: Genau, da muss man aufpassen. Aber bei Somm sehe ich noch keine Gefahr.

ZEIT: Noch nicht?

Blocher: Man weiß nie, was kommt (lacht laut). Ernsthaft: Somm ist ein gescheiter, unabhängiger Kopf. Die einzige Auflage, die er publizistisch hat, ist: Er muss jede Woche einen Leitartikel schreiben.

ZEIT: Das steht in seinem Arbeitsvertrag?

Blocher: Ja. Wissen Sie, warum?

ZEIT: Sie wollen wissen, was Ihr Angestellter denkt?

Blocher: Nein, das weiß man hoffentlich auch so: Aber vielerorts schreiben die Chefredakteure gar nicht mehr. Bei der Züri-Ziitig hat der frühere Chef wochenlang nichts geschrieben. Dagegen erinnere ich mich an die Vorgänger Fridolin Luchsinger und Willy Bretscher, die jeden Samstag mit einer politischen Botschaft hinstanden. Moderne Chefredakteure verteilen nur die Arbeit. Das finde ich nicht gut.

ZEIT: Ein paar Branchengerüchte ...

Blocher: ... nur zu.

ZEIT: Sie haben die Gratis-Anzeiger nur gekauft, um daraus eine nationale BaZ zu machen.

Blocher: Schauen wir mal. Es sind lokale Gratisblätter.

ZEIT: Werden Sie den Samstagskommentar von Somm in den Anzeigern abdrucken?

Blocher: Warum nicht?

ZEIT: Nächstes Gerücht: Sie interessieren sich nicht für die BaZ oder die Anzeiger, eigentlich wollen Sie noch immer die NZZ übernehmen.

Blocher: Ein weiteres Ammenmärchen. Damit soll wohl die NZZ aufgewertet werden. Unter Chefredakteur Eric Gujer ist sie etwas besser geworden.

ZEIT: Auch die NZZ rückte also, wie die ganze Schweiz, nach rechts?

Blocher: Die bekam sicher aus dem Aktionariat und von den Lesern auch entsprechende Vorwürfe, die Zeitung habe sich verschlechtert und nach links verschoben.

ZEIT: Haben Sie sich persönlich eingemischt?

Blocher: Nein. Aber ich lese sie.

ZEIT: Es gab den Versuch, Markus Somm, Ihren Chefredakteur, an die Spitze der NZZ- Redaktion zu setzen.

Blocher: Sicher nicht von mir.

ZEIT: Somm sollte NZZ- Chefredakteur werden.

Blocher: Die Züri-Ziitig hat ihn geholt, er zeigte Interesse. Obschon ich einen Nachfolger in Basel hätte suchen müssen, hätte ich der NZZ einen guten Chefredakteur gegönnt. Dann hat er aber abgesagt!

ZEIT: Ein weiteres Branchengerücht: Sie wollen mit der No-Billag-Initiative die SRG abschaffen, um endlich ein nationales Tele Blocher aufzubauen.

Blocher: Die No-Billag stammt nicht von mir und nicht von der SVP. Aber Tele Blocher ist schon heute der größte internationale Sender, der jede Woche weltweit auf Mundart sendet (lacht laut).

ZEIT: Ernsthaft: Solange eine SRG den TV-Markt dominiert, ist es für Private unmöglich, in der Schweiz einen Sender gewinnbringend zu betreiben.

Blocher: Sicher, solange er durch Zwangsgebühren finanziert wird, ist und bleibt er konkurrenzlos. Jetzt hat man daraus sogar eine Steuer für jedermann gemacht. Das ist eine Sauerei! Ich werde Ja bei der No-Billag-Initiative stimmen.

ZEIT: Deshalb wollen Sie die SRG zerschlagen?

Blocher: Das war nie meine Absicht. Gewisse Sachen können Sie mit einem privaten TV-Sender nicht machen, dafür ist die Schweiz mit ihren vier Sprachen zu klein. Aber ein staatliches Fernsehen braucht es nicht für alles. Es gibt vieles, das Private auch machen können. Das muss man nun mal ausbeineln.

ZEIT: Wie soll das funktionieren, wenn die Initiative angenommen werden sollte?

Blocher: Man muss einfach eine neue Gesellschaft gründen.

ZEIT: Das verbietet dann die Bundesverfassung. Dort steht: Der Staat dürfe keine Gebühren erheben, keine Sender betreiben außer im Kriegsfall.

Blocher: Aber ohne Zwangsgebühren kämen vielleicht andere, die das Gleiche täten.

ZEIT: Sie zum Beispiel?

Blocher: Nein, ich hatte noch nie im Leben einen Fernseher.

ZEIT: Interessant wäre es aber für Sie, nicht? Die Reichweite eines TV-Senders ist viel größer als jene einer Tages- oder Wochenzeitung.

Blocher: Ich werde sicher nicht einsteigen. Aber hören Sie auf, diese Initiative wird ja mit Bestimmtheit nicht angenommen werden.

ZEIT: Was macht Sie da so sicher?

Blocher: Die Schweizer wollen nicht auf ihr Fernsehen verzichten.

ZEIT: Zum Schluss, Herr Können Sie eigentlich gut loslassen?

Blocher: Ja, sehr gut. Ich will mal einen anderen sehen, der (haut auf den Tisch) sein Unternehmen so konsequent abgibt.

ZEIT: Gilt das auch für die Politik?

Blocher: Ich bin nicht mehr Nationalrat, ich konzentriere mich auf die Strategie der Partei.

ZEIT: Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Firma und die Macht in der Partei in Ihrer Familie bleiben?

Blocher: Es würde mich unheimlich mögen, wenn ich sähe, das Unternehmen geht das Loch runter. Es ist natürlich, dass meine Kinder dort übernehmen. Sie machen es auch gut.

ZEIT: In Ihrem Unternehmen, das leuchtet ein, aber auch in der Partei?

Blocher: Ich bin nicht für die Nachfolge verantwortlich. Aber ich helfe mit, dass überall gute Leute sind.

ZEIT: Würden Sie es verkraften, wenn die SVP massiv Wähler verlieren würde?

Blocher: Wenn sie verliert, weil die anderen Parteien unsere gute Politik auch übernehmen – dann nicht. Schlimm wäre, wenn die SVP den gleichen Seich wie alle anderen Parteien vertreten würde. Dann wäre es gescheiter, sie würde sterben.

ZEIT: Apropos sterben: Wen wollen Sie auf Ihrer Beerdigung sicher nicht dabeihaben?

Blocher: Es können alle kommen. Auch jene, die sich freuen, wenn ich endlich weg bin.