DIE ZEIT: Herr Grindel, es gibt offenbar Ärger mit China. Eine geplante Freundschaftsspielreihe der chinesischen U-20-Junioren gegen Mannschaften der Regionalliga Südwest musste am Wochenende nach nur einer Partie abgebrochen werden. Protestierende Zuschauer hatten die Flagge Tibets gezeigt, die Chinesen sich geweigert, die Partie fortzusetzen. War der DFB auf Proteste nicht vorbereitet? Hätten Sie nicht wissen müssen, dass es diesen Ärger geben kann?

Reinhard Grindel: Für uns war das ein für beide Seiten vorteilhaftes Projekt. Die Regionalligisten beklagen sich immer, dass wir als DFB für die 3. Liga TV-Rechte vermarkten und Werbeeinnahmen erzielen und ihre Spielklasse leer ausgeht. Insofern haben auch alle Regionalligisten dankbar angenommen. Erst nach Protesten einiger Ultragruppen haben dann mit Waldhof Mannheim, den Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz drei Vereine abgesagt. In den Gesprächen mit dem chinesischen Verband stand die sportliche Herausforderung der Partien gegen die Regionalligisten im Mittelpunkt. Dass wir uns um die Ein-China-Politik kümmern müssen, ist uns in der Tat nicht eingefallen.

ZEIT: Haben die Chinesen einen Abbruch der Spielserie gefordert?

Grindel: Nein. Der DFB hat aber in allen Gesprächen nach den Vorkommnissen in Mainz seine Position nicht verlassen – wir stehen zur Meinungsfreiheit. Der Dialog mit dem chinesischen Verband soll in Ruhe fortgesetzt werden. Deshalb haben wir entschieden, die Serie der Freundschaftsspiele bis zur Winterpause auszusetzen.

ZEIT: Auch bei einem anderen Thema macht der DFB keine gute Figur. Mit der Einführung des Videobeweises sollte die Gerechtigkeit im Fußball größer werden – das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Es herrscht Verwirrung. Sind Sie mit dem Schiedsrichterwesen überfordert?

Grindel: Nein, mit Felix Brych und Bibiana Steinhaus haben zwei deutsche Schiedsrichter dieses Jahr die Finale der Champions League bei den Männern und Frauen gepfiffen. Das hätten die Uefa und ihr kritischer Schiedsrichterboss Collina sicher nicht so entschieden, wenn der DFB mit dem Schiedsrichterwesen überfordert wäre.

ZEIT: Ständig gibt es Unklarheiten über die Regularien für den Videoassistenten in der Bundesliga, es gab Zweifel an der Organisationsstruktur und Probleme im Binnenverhältnis der Schiedsrichter. Brauchen wir eine Reform der Reform?

Grindel: Die Regularien für den Videoassistenten sind eindeutig, und die Reformen sind von der neuen DFB-Führung in Abstimmung mit der DFL zur neuen Saison eingeführt worden. Es gibt keine Benotung mehr, sondern eine viel breiter angelegte und transparente Beurteilung. Wir haben die Rollen der Coaches und der Beobachter der Schiedsrichter strikt getrennt, um für mehr Objektivität zu sorgen. Die Schiedsrichter werden sportphysiologisch und sportpsychologisch betreut, und wir erstellen Belastungsdiagnosen, um internationale und nationale Einsätze besser aufeinander abzustimmen.

ZEIT: Die DFL ist trotzdem für eine Auslagerung der Schiedsrichterei in eine Gesellschaft nach englischem Vorbild. Was spricht denn dagegen?

Grindel: Was sollte dadurch besser werden?