Dem Kunstmuseum im südfranzösischen Béziers wurde ein Bild gestohlen, den Verlust hat das Haus vor wenigen Tagen in alle Welt getwittert: Die verschwundene, aus dem Rahmen geschnittene Komposition mit Selbstporträt stammt von Giorgio de Chirico, einem wichtigen Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Begehrt ist vor allem von ihm, was in seiner avantgardistischen Phase bis 1919 entstand und später die Surrealisten beeinflusste. Als vor acht Jahren das Bild Il Ritornante (1918) im Auktionshaus Christie’s angeboten wurde, bezahlte das Centre Pompidou dafür mehr als elf Millionen Euro. Das Bild aus Béziers stammt von 1926, wirkt aber mit seinen puppenhaften Figuren im einsamen Raum so charakteristisch für de Chirico, dass man sich viele Liebhaber dafür vorstellen kann.

Bloß wird kaum ein Sammler so unvorsichtig sein, es zu kaufen: Mit seiner Twitter-Aktion hat das Museum für größtmögliche Prominenz gesorgt. Selbst wer nie in Béziers war, weiß nun, wie das verschwundene Motiv aussieht und kann sich nicht mehr auf einen gutgläubigen Erwerb berufen. Auch als Geldanlage ist das Bild wertlos: Kein Auktionshaus wird es zur Versteigerung annehmen, kein anderer Sammler Diebesgut kaufen. Bleibt die Möglichkeit einer "Entführung", wie sie in der Vergangenheit immer mal wieder vorkam: Dann werden die Institutionen von den Räubern aufgefordert, ihre eigenen Bilder zurückzukaufen. Bislang behaupten die Museen stets, auf so etwas nicht einzugehen.