Die Krätze ist mithin weltweit verbreitet und seit Urzeiten bekannt – trotzdem ist die Überraschung jedes Mal groß, wenn Skabies plötzlich wieder auftritt. Krätze erinnert ans Mittelalter, an Kriege und Schützengräben. Auch das dazugehörige "Kratzen" assoziiert man mit Armut und Schmutz. Tatsächlich tun sich selbst Ärzte mit der Diagnose schwer. Im Frühstadium tippen sie oft auf Pickel oder Wanzenstiche. Jüngere Mediziner haben Skabies oft noch nie gesehen, verzeichnen Dermatologen doch nur alle 15 bis 30 Jahre ein Umsichgreifen der Krankheit.

Gerade befindet sich das Land offenbar wieder in einer Phase zunehmender Krätze. Nun muss man aufs Neue lernen, dass Krätze kein Problem früherer Elendszeiten ist. Auf unhygienische Zustände ist die Krankheit nicht angewiesen. Wer Krätze hat und sich gründlich wäscht, hat am Ende bloß saubere Krätzmilben.

Während der Arzt Krätze leicht behandeln kann, ist die Prävention nicht ganz trivial. Zwar lässt sich die Übertragung der Krankheit theoretisch leicht vermeiden: Da der Parasit für das Umsteigen von einem Wirt auf einen anderen bis zu eine Viertelstunde braucht, muss man nur den längeren Hautkontakt mit einem Infizierten vermeiden. Leider jedoch ist der Befall nicht sofort zu erkennen, denn die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und fünf Wochen.

Für die Praxis von Pflegeheimen, in denen sich das Personal intensiv um die Patienten kümmert, oder von Einrichtungen, in denen sich Kinder aufhalten, heißt das: Händeschütteln, Begrüßungsküsse oder Umarmungen stellen kein Risiko dar. Ist Sarcoptes scabiei jedoch einmal im Haus, müssen Bewohner, Pflegepersonal und eventuell auch die Angehörigen therapiert werden.

Übrigens ist der Sonderfall Sexualkontakt der erfolgreichste Übertragungsweg für die Krätze. So gibt es unter Kollegen manchmal zu Recht Getuschel, wenn zwei Mitarbeiter sich gleichzeitig ausgiebig zu kratzen beginnen. Dies ist wohl auch ein Grund für das miese Image: Im weiteren Sinn ist die Krätze eine Geschlechtskrankheit.