I. Nur für Männer

Lange stand die Malerei als "edle Kunst" nur den Männern zu. Was höhere Töchter mit Stift und Pinsel schufen, galt allenfalls als Zeitvertreib bis zur Hochzeit. Deshalb legte Bruno Paul 1901 in einer Karikatur im "Simplicissimus" einem alten Maler die Worte in den Mund: "Sehen Sie, Fräulein, es gibt zwei Arten von Malerinnen: die einen möchten heiraten und die anderen haben auch kein Talent."

II. Die Töchter der Maler

Einige wenige Malerinnen, die Anerkennung fanden und von ihrer Kunst leben konnten, hat es seit dem 16. Jahrhundert gegeben. Die Schwestern Anguissola und Artemisia Gentileschi, Rachel Ruysch und Rosalba Carriera, Angelika Kauffmann und Elisabeth Vigée-Lebrun sind einige Beispiele. Sie hatten das Zeichnen, Malen, Radieren meist bei ihren Vätern gelernt.

III. Malweiber und Klexhexen

Der Begriff der "Malweiber" tauchte um 1900 auf. Manchmal nannte man sie auch "Klexhexen". Gemeint waren jene Frauen, die sich den Malerkolonien in Worpswede, Dachau oder Ahrenshoop anschlossen und hinauszogen, um Landschaften zu malen. Den Werken bescheinigten die männlichen Kritiker jedoch bestenfalls "weiblichen Dilettantismus mit meisterlicher Virtuosität". Gelernt hatten sie die Malerei in Privatschulen. Zwar hat die Pennsylvania Academy of Art bereits seit 1844 Frauen zugelassen, doch Europa folgte erst 1897 mit der École des Beaux-Arts in Paris. Und Deutschland sogar erst 1904 mit Kassel, Königsberg, Weimar und Stuttgart.

IV. Und heute?

Der Anteil der Studentinnen an Kunsthochschulen in Deutschland liegt inzwischen bei 55 Prozent und mehr. Unter den Lehrenden sind es 37 Prozent. Auch in Galerien sind Frauen keine Ausnahme mehr. In den Museen alter Kunst bleiben sie rar, während in den Museen zeitgenössischer Kunst ihr Anteil immerhin stetig steigt – zumindest in Stockholms Moderna Museet hat er inzwischen 50 Prozent erreicht. Auf dem Kunstmarkt liegt das teuerste Werk der Künstlerin Georgia O’Keeffe mit 44,4 Millionen Dollar nur zwei Millionen unter dem bestbezahlten Bild von Gerhard Richter – jedoch weitab von Leonardos Salvator mundi mit 450 Millionen Dollar und Picasso mit 179,4 Millionen als Nummer zwei bei Auktionen.