Die Urteile stehen fest: Anton Schlecker wurde wegen Bankrotts und falscher Versicherung an Eides statt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 54.000 Euro Geldstrafe verdonnert. Seine Kinder traf es deutlich härter: Zwei Jahre und neun Monate Gefängnis für Lars Schlecker, zwei Jahre und acht Monate für Meike Schlecker. Ebenfalls wegen Bankrotts, wegen Beihilfe dazu, wegen Untreue und Insolvenzverschleppung. Die Familienmitglieder haben selbst dann noch Geld aus dem Drogerie-Imperium gezogen, als es kurz vor dem Zusammenbruch stand.

Dass der Senior nun milder bestraft wurde als seine Kinder, mag überraschen – und manche auch erzürnen. Ein paar gute Gründe dafür gibt es.

Falsch wäre es, anzunehmen, der Vater habe seine Kinder geopfert. Man erinnere sich daran, dass Anton Schlecker in den achtziger Jahren Lösegeld gezahlt hat, um seine beiden Kinder – damals Teenager – aus der Gewalt ihrer Entführer freizubekommen. Zugegeben: Er soll die Summe auf das gerade noch von der Versicherung gedeckte Maß heruntergehandelt haben, was schon sehr abgebrüht wirkt. Ob man angesichts dessen jetzt von "opfern" sprechen sollte? Wohl kaum. Abgesehen davon, hätte er ihnen kurz vor der Insolvenz dann wohl auch nicht dermaßen viel Geld zugeschanzt.

Hat sich Anton Schlecker freigekauft, wie zu lesen war? Das kann man so sehen. Kurz vor Prozessende überwies Schleckers Ehefrau auf Bitten ihres Mannes zwei Millionen Euro zur Schadenswiedergutmachung an den Insolvenzverwalter. Er selbst sei mittellos, beteuerte er bis zuletzt. Das Gericht rechnete ihm das zum Vorteil an. Verboten sind solche Zahlungen nicht, im Gegenteil. Lars und Meike Schlecker haben ja ebenfalls je eine Million Euro gezahlt. So gesehen, haben auch sie sich freigekauft, wenngleich nicht ganz so umfangreich wie der Senior.

Letztlich aber haben die unterschiedlich harten Strafen mit etwas ganz anderem zu tun. Nämlich mit der Klarheit bei der Vermögenszuordnung. Das große Überthema des Prozesses war ja stets, dass es beim Einzelkaufmann Anton Schlecker nie eine klare Abgrenzung zwischen privatem und betrieblichem Vermögen gegeben hatte. Er war die Firma, die Firma war er. Das machte es kompliziert, die einzelnen Geldströme zu beurteilen.

Ganz anders war das bei Lars und Meike Schlecker. Da gab es die beiden, und es gab die Logistikfirma LDG, die die Schlecker-Filialen belieferte. Obwohl die LDG bereits verschuldet war, ließen sich die beiden Schlecker-Kinder als faktische Geschäftsführer mehr als sechs Millionen Euro als vorläufige Gewinnausschüttung ausbezahlen. Per Blitzüberweisung, und das nur wenige Tage vor dem Kollaps des Imperiums. Hier war viel leichter festzustellen, wessen Vermögen sie geschädigt haben: das der Firma, deren Interessen sie eigentlich hätten schützen müssen. Konsequenterweise wurden sie ja auch wegen Untreue verurteilt – und die Haftstrafen gegen sie beruhen dem Gericht zufolge "im Wesentlichen" auf dieser Gewinnausschüttung.

Ob die Urteile gegen Lars und Meike Schlecker zu hart oder zu mild ausgefallen sind, ist Ansichtssache. Ehemalige Beschäftigte des Drogerie-Clans haben wohl mehr erwartet, die Schlecker-Kinder weniger: Am Tag nach dem Urteil haben sie Revision eingelegt.