Bereut der Professor, dass er da vom "weißen Europa" geredet hat? Man erreicht Rauscher am Telefon, in Ungarn. Er sei dort "nicht, um Asyl zu beantragen, sondern um Vorlesungen zu halten", sagt er, als Gastprofessor an einer Budapester Hochschule. Dort halte er sich gern auf, "da herrscht ein geistiges Klima, in dem ich mich wohlfühle". Wenn man ihn dann fragt, was er meinte mit seinem Tweet – ob er nicht verstehen könne, dass sein Wunsch nach einem "weißen Europa" nach völkischem und rassistischem Gedankengut klinge und wenig nach differenzierten Ansichten eines klugen Juristen? Dann sagt er, er sei lediglich falsch verstanden worden. Der Begriff "weißes Europa" sei "eine verständliche Chiffre für die durch Christentum, europäische Kultur und Tradition und, ja, auch dies, Menschen weißer Hautfarbe geprägte europäische Identität". Hier ärgert sich ein Mann nicht über sich. Sondern nur über die Proteste, die er ausgelöst hat. Er habe "eine Flut von Nachrichten" bekommen, mit Zuspruch und Sympathiebekundungen, so Rauscher. Er würde sich auch den Kollegen erklären. "Aber bisher hat sich bei mir kein einziger gemeldet, auch nicht die Universitätsleitung." Wie es ihm gehe? "Beschissen", so Rauscher. "Das ist eine brutale Hexenjagd, das sind Zustände, die an totalitäre Staaten erinnern." Er fühlt sich "vorverurteilt", findet: "Werbung für den Rechtsstaat" sei das "gewiss nicht".