Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Einmal gelang es dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) mit einer besonders poetischen Metapher klarzulegen, dass nicht sein kann, was nicht sein darf – zumindest nicht wenn die Herren des Pistenzaubers ihre schützende Hand über den Stolz der Sportnation halten: "Wir haben die Winterausrüstung, es braucht aber keine Schneeräumung, wenn es nicht geschneit hat." Vor einem Jahr hat das jedermann eingeleuchtet. Daher konnte der ÖSV auch mit dem Brustton vollster Überzeugung erklären, dass man in der glücklichen Lage sei, "niemals einen derartigen Fall gehabt zu haben". Die Rede war und ist von sexuellen Übergriffen. Nun soll es aber doch "derartige Fälle" gegeben haben. Das berichten zumindest ehemalige Rennläuferinnen. Wie kann das sein? Man mag es sich kaum vorstellen, da der Präsident doch versicherte, von nichts zu wissen. Der Präsident! Ein Mann, dessen Wort Gewicht hat, auch abseits der Piste. Mehr als ein Vierteljahrhundert steht er nun bereits dem Skiverband vor. Man rätselt vielleicht, welche geheimen Qualitäten, die bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sind, ihn so lange im Amt halten konnten – außer im entscheidenden Moment nichts zu wissen. Doch neidlos muss man anerkennen, dass ihm, der mit seinen Leuten durch alle Höhen und Tiefen, die der weiße Sport so kennt, gecarvt ist, nichts Skifahrerisches fremd sein kann. Aber sexuelle Übergriffe? Bei den Naturburschen und blitzsauberen Mädels, die sich tollkühn über die steilsten Flanken talwärts stürzen? Immerhin gestand der Präsident schließlich, es sei ihm schon aufgefallen, dass es da immer wieder das eine oder andere "Pantscherl" gegeben habe, so wie es sich auch auf jedem zünftigen Skikurs gehört. Aber ein "Pantscherl" ist eben kein Übergriff. Basta! Es hat also, um im Deutsch des Skiverbandes zu sprechen, nicht geschneit. Vermutlich ist es gerade dieses feine Sensorium, das dem Präsidenten eine derart lange Amtszeit beschert hat. Und seine Offenheit. Denn im Ernstfall, so räumte er ein, wäre der ÖSV "nicht wirklich darauf eingestellt", sollte er sich mit Vorwürfen dieser Art konfrontiert sehen. Also ist es doch nicht so weit her mit der Winterausrüstung. Zumindest über eine Schneeräumung verfügt der ÖSV. Da hofft man, dass alle Betroffenen "sofort zur Frau Kronberger gehen". Das ist die tapfere Frauenbeauftragte des Skiverbands. Klingt wie Umweltbeauftragte bei VW. Es schneit nämlich immer mehr. Zunehmend melden sich Athletinnen, die wie Freiwild behandelt wurden. Zum Glück hat auch hier der Präsident den richtigen Satz parat. "Das waren damals sicher andere Zeiten." Aber ja doch. Wozu also die Aufregung?