Seine Startbedingungen waren schlecht: Spross einer verarmten Adelsfamilie, früh vaterlos, schwächlicher Körper, geplagt von häufigen Fieberanfällen. Er war oft den Tränen nahe, verfiel in Melancholie oder suchte die Einsamkeit. Aber alle Belastungen beugten weder seinen Stolz noch seinen zur Macht drängenden Willen.

Schon mit 21 Jahren zum Bischof ernannt, trat er acht Jahre später als Sprecher der Geistlichkeit bei der Ständeversammlung auf und schmeichelte sich bei der herrschsüchtigen Regentin ein. In seinem ersten Staatsamt als Sekretär für auswärtige Angelegenheiten vergrößerte er systematisch seinen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte. Die heiß ersehnte Kardinalswürde nutzte er geschickt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und den Amtsadel auszuschalten. Konsequent verfolgte er seine Hauptziele: die Schaffung eines zentralistischen, vom Monarchen uneingeschränkt regierten Einheitsstaats sowie die Brechung der Macht des Adels. Er setzte sich gegen Intrigen durch, gegen Teile der königlichen Familie und zahllose Unzufriedene aller Ränge, schließlich gegen das Volk, das unter enormen Steuerlasten litt. Nachdem er den König vor einem mörderischen Komplott gerettet hatte, war er mächtiger als je zuvor und ging gegen den renitenten Hochadel vor.

Außenpolitisch hielt er sich zurück, ein Krieg jedoch, den er gegen einen Erzfeind begonnen hatte, brachte das Land an den Abgrund. Trotz aller Kritik an seinem Werk – seine Größe als Staatsmann ist unbestritten. Wer war’s?

Lösung Nr. 48:

Hanns-Josef Ortheil, geb. 1951 in Köln, ist Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Er lernte erst mit sieben Jahren sprechen; vier Geschwister waren gestorben und die Mutter verstummt. 2009 erschien mit "Die Erfindung des Lebens" seine Autobiografie. Mit dem Satz vom Meer beginnt sein Roman "Die große Liebe"