Wie zufrieden sind die Hamburger mit den Verhältnissen auf Straßen, Wegen und Schienen ihrer Stadt? Der ADAC hat es mit einigem Aufwand untersucht und gibt in dieser Woche die Antwort bekannt. Knapp zusammengefasst lautet sie: Geht so.

Es ist eine aufwendige Studie, ein Vergleich der größten deutschen Städte anhand von Interviews mit mehr als 9.000 sorgsam auswählten Einwohnern und Pendlern. Wer findet was wichtig, wer stört sich woran? All das hat der ADAC untersucht.

Ein Hinweis muss allerdings sein: Zufriedenheitsbefragungen sind zweideutig. Gemessen werden nicht objektivierbare Sachverhalte, etwa die durchschnittliche Dauer der Parkraumsuche, sondern das Verhältnis von Erwartung und Ergebnis: Fünf Minuten Suche kann der eine erträglich finden, während sie ein anderer für eine Zumutung hält. Andererseits ist für eine Regierung nichts so wichtig wie die Zufriedenheit der Bürger. Mag es objektive Verdienste oder Mängel geben, pünktliche oder weniger pünktliche Busse, mehr oder weniger Schlaglöcher in den Straßen – wenn es darauf ankommt, also bei der nächsten Wahl, sind es nicht Zahlen und Fakten, sondern Zufriedenheit und Unzufriedenheit der Wähler, die über das Schicksal von Regierung und Opposition entscheidet. So gesehen hat der ADAC die richtigen Fragen gestellt.

Fünfzehn deutsche Großstädte wurden untersucht, getrennt nach Fußwegen, Straßen-, Rad- und Schienenverkehr. Auch eine Rangfolge ist dabei herausgekommen. Sie ist allerdings von mäßiger Aussagekraft, weil die Unterschiede, die zutage traten, insgesamt nicht groß sind. Hamburg ist auf Platz elf gelandet, hinter zehn Städten, die alle deutlich kleiner sind. Am besten haben die ostdeutschen Großstädte Dresden und Leipzig abgeschnitten. In Dresden sind 41 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden mit den Verkehrsverhältnissen in der Stadt, in Hamburg nur 31 Prozent, während der Anteil der ziemlich oder sehr Unzufriedenen hier bei 17 Prozent liegt gegenüber 11 Prozent in Dresden. In beiden Städten (und auch überall sonst) haben sich demnach die meisten Befragten neutral geäußert.

Die Untersuchung unterscheidet zwischen Auto- und Radfahrern, Fußgängern und den Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel, auch dies allerdings eine Differenzierung, die mit Vorsicht gedeutet werden muss. Wer mindestens dreimal im Jahr ins Auto steigt, hat sich für die Befragung als "Autofahrer" qualifiziert, wer im selben Zeitraum dreimal Fußwege von mindestens 300 Metern zurückgelegt hat, kann sich auch als "Fußgänger" äußern. Mit den Nutzern von Fahrrädern, Bussen und Bahnen verfuhren die Befrager ebenso. Am besten liest man das Ergebnis daher wohl als Zufriedenheitsbefragung eines einigermaßen homogenen Personenkreises zu unterschiedlichen Verkehrsmitteln.

Im Städtevergleich der Radfahrer schneidet Hamburg schwach ab

Zwei Befunde springen ins Auge: Zum einen sind die Nutzer in keinem anderen Verkehrsmittel so unzufrieden wie im Auto, nicht nur in Hamburg, sondern überall. Zum anderen ist dieses Urteil ganz offensichtlich eine Frage des Alters: Autofahrer unter 40 Jahren sind in Hamburg einigermaßen zufrieden, die älteren schimpfen – auch das ist in den anderen Städten ähnlich. Eine naheliegende Deutung: Wer groß geworden ist in Zeiten, da halb so viele Autofahrer wie heute sich Straßen und Parkraum teilten, den ergreift beim Blick durch die Windschutzscheibe das Gefühl, es sei doch früher manches besser gewesen.

Insgesamt beurteilen die Hamburger Autofahrer ihre Bedingungen schlechter als ihre Leidensgenossen in den meisten anderen Großstädten, doch sind auch hier die Unterschiede nicht sehr groß. In einer Millionenstadt ist das Auto kein zweckmäßiges Verkehrsmittel – so lassen sich die Befunde aus München (Platz 9), Hamburg (Platz 12), Köln (Platz 13) und Berlin (Platz 14) wohl zusammenfassen.

Was ist Autofahrern wichtig? Die beiden häufigsten Antworten konnte man sich denken: Sie wollen im Straßenverkehr gut durchkommen, also möglichst ohne Staus, und sie wünschen sich gut ausgebaute Straßen und Kreuzungen. Überraschend dagegen ist Platz drei der Hitliste: Wichtiger als Parkplätze, grüne Wellen und gut organisierte Baustellen und viel wichtiger als gute Wegweiser sind ihnen rücksichtsvolle Autofahrer. An solchen scheint es in Hamburg zu fehlen: Nirgendwo urteilen Autofahrer so scharf übereinander wie hier. Noch weniger halten sie von Radfahrern, unter denen sie allerdings auch nicht sonderlich leiden: Sie sind ihnen schlicht egal. Nur Fußgänger, Carsharing und "Parkleitsysteme" sind aus Autofahrerperspektive noch unwichtiger.