Die Abendluft ist voller geheimnisvoller Klänge, voller Tierstimmen, die von überallher kommen. Wir sind in Bicheno, einer kleinen Stadt auf einer kleinen Insel, die Tasmanien heißt und zu Australien gehört. Tasmanien ist das Zuhause von mehr als hunderttausend Zwergpinguinen. Die wollen wir heute Nacht beobachten.

Darum haben wir uns warm angezogen und sind mit einem Bus zu einer Düne am Meer gefahren. Dort oben stehen wir nun und warten. Noch ist es nicht ganz dunkel. Wir schauen aufs Wasser und hören erst einmal zu. Bei uns ist ein Ranger, der erklärt, wie wir uns später verhalten müssen, um die Pinguine nicht zu erschrecken. Ein Ranger ist so etwas Ähnliches wie in Deutschland der Förster. Nur bewacht dieser Ranger keinen Wald, er ist der Hüter der Küste und seiner Bewohner.

Eine Weile stehen wir einfach herum, frieren ein wenig in der kühlen Nacht. Inzwischen ist es ganz dunkel, und wir können in der Finsternis kaum noch etwas sehen. Dafür hören wir umso mehr. Wellen klatschen gegen die Klippen, Möwen krächzen, ein Adler schreit. Und plötzlich hören wir noch etwas. Ein leises Quieken und Quaken. "Das ist ein Zwergpinguin", sagt der Ranger, "er macht sich gerade auf den Heimweg. Gleich wird er hier sein."

Tagsüber treiben sich die Tiere im eiskalten Meer herum. Sie jagen Fische und Krebse. Gut 50 Kilometer schwimmen sie dafür jeden Tag hin und her und tauchen bis zu 30 Meter in die Tiefe. Abends, wenn die Sonne untergeht, kehren sie zurück in ihre Höhlen an Land. Dort schlafen sie nicht nur und ruhen sich aus. Dort warten jetzt, im November, auch ihre hungrigen Küken.

Das Quieken auf dem Wasser wird lauter. Der Ranger deutet auf einen flachen Felsen im Meer. Er ist nur wenige Meter von der Küste entfernt. Hier, erklärt er, würden die Pinguine auf ihrem Weg an Land oft zuerst hinschwimmen und dann weiter durch das flache Wasser an Land watscheln.

Wir starren in die Dunkelheit. Und dann: "Da!" Auf dem Felsen sind tatsächlich die Umrisse von kleinen Pinguinen zu erahnen, und es werden immer mehr. Sie scheinen sich kurz auszuruhen. Bald tapsen sie langsam durch das Wasser an Land und weiter einen steilen Pfad hinauf, in Richtung der Düne, auf der wir stehen.

Wie sie watscheln! Ihre Knie beugen sich nicht, sie halten sich aufrecht und schwanken hin und her, als würden sie fröhlich durch die Nacht tanzen. Doch so lustig, wie es aussieht, ist der Weg an Land für die Pinguine nicht, erklärt der Ranger. Von allen Seiten droht Gefahr. Im Wasser wollen Haie und Robben sie fressen, in der Luft lauern Raubmöwen und Adler. Langsam watschelnd sind die Pinguine eine leichtere Beute. Im Wasser bewegen sie sich blitzschnell.